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Migräne-Patienten per Smartphone-App versorgt

28. November 2018

Rostocker Unimedizin startet Kooperation mit Berliner Charité

Rostock/Gehlsdorf – Migräne ist eine weitverbreitete Erkrankung. Bis zu 25 Prozent aller Frauen und 8 Prozent aller Männer leiden unter extremen Kopfschmerz-Attacken. „Auch wir erleben täglich, dass die Migräne nicht zu Unrecht zu den am stärksten einschränkenden Erkrankungen gehört “, bestätigt Dr. Tim Jürgens, Neurologe an der Unimedizin Rostock. Um Migränepatienten jetzt noch effektiver behandeln zu können, hat die Rostocker Klinik für Neurologie zusammen mit der Berliner Charité als Konsortialführer ein Projekt zur Smartphone-gestützten Migränetherapie (SMARTGEM) gestartet. Das Projekt wird vom Innovationsfonds für drei Jahre mit mehr als drei Millionen Euro gefördert. Knapp 330 000 Euro davon hat der Rostocker Standort eingeworben.

Mittels einer speziellen App soll die Wirksamkeit einer ortsunabhängigen, effektiven und zeitsparenden Therapieform untersucht werden. Die Migräne-Patienten führen in der App Tagebuch über ihre Attacken, eventuelle Auslöser, die Medikamenteneinnahme sowie Schlafqualität und Wohlbefinden. „Wir wollen anhand der Daten auch Strategien entwickeln, um den Medikamentenkonsum zu verringern und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen“, erklärt Prof. Dr. Peter Kropp, Verhaltenspsychologe und Direktor vom Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie. Migräne ist geprägt von Begleitsymptomen wie etwa Sehstörungen und Depressionen. Oftmals seien Patienten so von ihrer Krankheit getrieben, dass sie aus Angst vor dem nächsten Migräneschub prophylaktisch Medikamente einnehmen. „Es entwickelt sich förmlich eine Angst vor den Anfällen“, erklärt Kropp. Die Patienten finden kaum Momente für Entspannung. 

Neben der Dokumentation ist die App gleichzeitig Therapiemodell und Schulung zur Selbsthilfe. „So werden die Patienten darin aufgefordert und angeleitet, beispielsweise Sport und Entspannungsübungen auszuführen, um die nächste Migräneattacke hinauszuzögern“, sagt Jürgens. Darüber hinaus werden telemedizinische Beratung, ärztlich moderierte Foren und Expertenchats angeboten. Die Patienten werden dadurch interdisziplinär sowohl von Neurologen als auch von Psychologen und Physiotherapeuten versorgt. 

In diesem Rahmen hat die Rostocker Unimedizin die Kapazitäten des Kopfschmerzzentrums ausgebaut. Damit reduzieren sich die mehrmonatigen Wartezeiten. „Unsere schmerzgeplagten Patienten sind dankbar für jede Verbesserung ihrer Situation“, ergänzt die Gesundheits- und Krankenpflegerin Sylvia Röhring.

Außerdem steht den Rostocker Migräne-Spezialisten seit 1. November das erste Präparat einer neuen Medikamentengruppe, den CGRP-Antikörpern, für die Migräneprophylaxe zur Verfügung. „Patienten, die nicht auf herkömmliche Medikamente ansprechen, können wir dadurch Linderung verschaffen“, sagt Kropp. Die Präparate zeichnen sich durch eine gute Verträglichkeit und rasche Wirksamkeit auch bei besonders schwer betroffenen Patienten mit chronischen Kopfschmerzen aus. „Erstmals können wir nun innerhalb von wenigen Wochen feststellen, wer auf die neuen Präparate anspricht“, so Jürgens.

Terminvergabe im Kopfschmerzzentrum Nordost:

Tel. 0381/ 494 52 76 (Termine nach Absprache) oder kopfschmerz{bei}med.uni-rostock.de