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„Das schweißt zusammen“: Erste Leber-Lebendspende in Mecklenburg-Vorpommern

11. Mai 2016

Janet Hensel (36) konnte die Klinik sieben Tage nach dem Eingriff verlassen - Onkel Norbert Weber (56) nach 13 Tagen. Chirurg Prof. Dr. Tung Yu Tsui ist mit dem Ergebnis zufrieden. Foto: Unimedizin Rostock

Alternative zur Transplantation des Organs eines hirntoten Spenders / Gute Aussichten für Empfänger

Das Warten auf eine Spenderleber ist für die Betroffenen eine belastende Geduldsprobe: Oft vergehen Monate bis Jahre, bis ein passender Spender gefunden wurde, in einigen Fällen verläuft die Suche ohne Erfolg. Eine Alternative zur Transplantation der Leber eines hirntoten Spenders ist die Lebendspende - ein anspruchsvoller Eingriff, der in Deutschland bisher nur selten durchgeführt wird. An der Rostocker Universitätsmedizin hat jetzt Prof. Dr. Tung Yu Tsui, Leiter der Sektion Onkologische Chirurgie, zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern ein Stück Leber von einem lebenden Spender transplantiert.

„Viele Patienten haben keinen Zugang zu Organen“, erklärt der Mediziner. „Die Wartelisten sind lang - manchmal ist die Teilleberspende die einzige Möglichkeit, ein neues Organ zu erhalten.“ Für die spezielle Technik, bei der der rechte Leberlappen des erwachsenen Spenders entnommen und beim Empfänger eingepflanzt wird, gibt es klare Vorgaben. So dürfen nur Verwandte ersten und zweiten Grades ein Organ spenden. „In Ausnahmen ist das auch für Partner oder Freunde möglich, die sich freiwillig dazu entscheiden“, so Tsui. „Es muss genau nachgewiesen werden, dass sie eine sehr enge Bindung zum Patienten haben.“ Wichtig sei zudem, dass der Spender volljährig und absolut gesund ist.

Als Norbert Weber vor einigen Monaten eine Lungenentzündung verschleppt, ahnt er noch nicht, dass er schwer krank ist. Beim Röntgen der Lunge entdecken die Ärzte dann aber auffällige Geschwüre an der Leber. Anzeichen für einen Tumor. Weitere Untersuchungen bestätigen den Verdacht: Der Wismarer hat Leberkrebs, ausgelöst vermutlich durch eine Eisenspeicher-Erkrankung. Nur eine Lebertransplantation kann ihn noch retten. Doch Weber ist nicht allein, die Familie steht hinter ihm. Noch heute ist er zu Tränen gerührt, wenn er an die Tage nach der Diagnose zurückdenkt: „Meine Geschwister, die Neffen, Nichten, meine ganze Familie - alle wollten sofort helfen“, sagt der 56-Jährige mit zittriger Stimme. 

Webers Nichte Janet Hensel hat nicht lange gezögert, als sie erfahren hat, dass ihr Onkel krank ist: „Meine Mutter und ich haben sofort testen lassen, ob wir als Spender in Frage kommen“, erinnert sie sich. „Bei mir hat es zum Glück geklappt.“ Gezweifelt habe die 36-Jährige nie an ihrem Entschluss, dem Verwandten ein Stück ihrer Leber zu spenden. „Die Ärzte sagten, eine Spenderleber ist für ihn die einzige Rettung. Da mussten wir nicht überlegen.“

60 Prozent ihrer Leber hat Janet Hensel gespendet. „Langfristige Folgen wird es aber nicht geben“, sagt Tsui. „Die gesunde Leber regeneriert sich von selbst und wächst wieder auf die Ausgangsgröße nach.“ Für Norbert Weber ist die Teilleber seiner Nichte ein Segen: „Aus medizinischer Sicht können wir sagen, dass das Organ eine bessere Qualität hat als das eines verstorbenen Spenders“, so Tsui. „Wir konnten die Operationen zeitlich genau planen. Es war kein Fremdblut notwendig, wir kannten den Zustand der Spenderleber, sie musste nicht lange konserviert werden und wir konnten die Größe genau berechnen.“ Das sei wichtig, damit das Organ vom Empfänger angenommen werde. „Die Chancen dafür stehen sehr gut.“ 

Monatelange Voruntersuchungen und Ende März dann die Operation: Onkel und Nichte haben alle Schritte der Transplantation gemeinsam gemeistert. „Das schweißt zusammen“, scherzen sie heute. Einen Monat nach dem Eingriff geht es beiden gut. Janet Hensel hat den Eingriff ohne Probleme überstanden und auch Norbert Weber ist erleichtert: „Jetzt wird alles gut. Dank meiner Familie.“