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Hilfe für die Kleinsten: Unimedizin macht sich für Kinderschutz stark

03. April 2018

Mitarbeiter bilden sich fort / Kinderschutzgruppe hilft bei Verdacht auf Misshandlung

Für Mediziner ist es immer wieder traurige Realität: Bei einer Routineuntersuchung entdecken sie am Säugling ungewöhnliche blaue Flecken oder bemerken, dass ein junger Patient nicht über seine Eltern sprechen mag. Der Verdacht auf Kindesmisshandlung gehört an Krankenhäusern und in Arztpraxen zum Alltag. An der Universitätsmedizin Rostock haben sich einige Mitarbeiter des Themas angenommen, um Kollegen in kritischen Situationen zur Seite zu stehen. 

Seit acht Jahren arbeitet Dr. Anne Port am Rostocker Institut für Rechtsmedizin. Dort untersucht sie in der Opferambulanz pro Jahr rund 200 Patienten, die Opfer von Gewalt geworden sind. Etwa die Hälfte davon sind Kinder. „Manche Fälle erwischen einen kalt“, sagt die Ärztin, die selbst Mutter eines zehnjährigen Sohnes ist. „Dann ist es wichtig, dass man jemanden hat, mit dem man sich austauschen kann.“ Aus diesem Grund hat sie eine Weiterbildung zur Kinderschutzfachkraft absolviert. Mit dem Abschluss ist sie Ansprechpartnerin für Ärzte, Hebammen, Sozialarbeiter und Therapeuten, die einen Verdacht auf Kindesmisshandlung hegen. „Zahlreiche Berufsgruppen aus dem medizinischen Bereich, die Kontakt zu Kindern haben, haben einen rechtlichen Anspruch auf Beratung“, so Port. Die Fälle werden zunächst anonym geschildert - verdichtet sich der Verdacht, berät die Ärztin, welche weiteren Schritte eingeleitet werden können. „Meist schließt sich eine rechtsmedizinische Untersuchung an. Wenn das Kindeswohl tatsächlich gefährdet ist, sollte der Verdacht beim Jugendamt gemeldet werden. Ich erkläre den Kollegen, an wen sie sich wenden können und helfe in rechtlichen Fragen.“ Oft sei beispielsweise zu klären, wem gegenüber im Einzelfall die ärztliche Schweigepflicht gilt. „Als Rechtsmediziner unterstützen wir auch gern, wenn der strafrechtliche Weg beschritten werden soll“, so Port. „Ein Arzt, der auf der Intensivstation ein geschütteltes Kind betreut, würde durch diesen Schritt das Vertrauensverhältnis zu den Eltern gefährden. Wir haben da etwas mehr Distanz.“

Mit ihrem Angebot unterstützt Anne Port die Kinderschutzgruppe, die vor zwei Jahren auf Initiative des Leiters der Kinderklinik, Prof. Dr. Michael Radke, an der Unimedizin gegründet wurde. Rund 25 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen des Hauses wie Kinderklinik, Rechtsmedizin, Zahnklinik, Augenklinik, Chirurgie, Radiologie, Kinderpsychiatrie oder dem Sozialpädiatrischen Zentrum, bilden sich stetig fort und ziehen an einem Strang, um die kleinsten Patienten zu schützen. „Nicht immer wird ein Missbrauch durch blaue Flecken sichtbar“, sagt Dr. Barbara Wichmann, Fachärztin auf der Kinder-Intensivstation. „Vieles bemerken wir erst durch auffälliges Verhalten, seltsame Aussagen. Egal, wie klein der Verdacht ist: Wir nehmen jeden Hinweis ernst und helfen, wo wir können.“ Während sich an Anne Port auch niedergelassene Kollegen wenden können, ist die Kinderschutzgruppe ausschließlich für die Kollegen innerhalb der Unimedizin da. Die Mitarbeiter kennen wichtige Ansprechpartner, rechtliche Möglichkeiten und weitere diagnostische Maßnahmen, die notwendig sein können, um einen Verdacht auf Misshandlung, sexualisierte Gewalt oder Vernachlässigung zu überprüfen. „Kinderschutz ist uns ein Herzensthema“, sagt Barbara Wichmann. „Die kleinen Patienten haben nicht immer jemanden, der für sie eintritt. Wir können sie nicht allein lassen.“