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Mutter und Kind gemeinsam therapiert

19. Dezember 2017

Beim gemeinsamen Spielen kommen sich Bastian und Mama Christiane wieder näher.

In MV einmaliges Familien-Konzept gelingt durch Kooperation zwischen Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie

 

Rostock/Hansaviertel - Die 33-jährige Christiane liebt ihre beiden Kinder. Auch wenn ihr Leben als alleinerziehende Mutter nicht immer einfach ist, gibt sie sich alle Mühe, die Hürden des Alltags zu meistern. Bei ihrem großen Sohn Bastian stößt sie allerdings an ihre Grenzen. Der 13-Jährige hat eine Lernbehinderung und ist verhaltensauffällig. „Ich fand einfach keinen Weg mehr, auf ihn einzugehen. Basti wollte nicht einmal mehr meine Nähe“, erinnert sie sich. Für die junge Mutter war es schwer mit anzusehen, wie sich Bastian von ihr entfremdete. Das führte dazu, dass ihre eigene Erkrankung, eine Depression, immer mehr zunahm. Probleme blieben unausgesprochen, Missverständnisse und Streit waren die Regel - am Ende zogen sich beide zurück.   

Um sich ihrem Sohn wieder anzunähern und sich ihren eigenen Sorgen stellen zu können, hat sich Christiane Hilfe geholt. Die hat sie in der Unimedizin Rostock am Standort Bad Doberan gefunden, wo Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie gemeinsam eine Mutter-Kind-Therapie anbieten. Diese brachte für Christiane und Bastian den entscheidenden Erfolg. Das Angebot ist in der Region einmalig, bundesweit gibt es nur sehr wenig vergleichbare Therapien. „Wir haben in einem Jahr ein Konzept entwickelt, bei dem neben der eigenen, störungsspezifischen Therapie der Fokus auch auf eine gemeinsame Behandlung von Mutter und Kind gerichtet ist“, erklärt Kinderpsychiater Dr. Alexander Dück. Er hat die beiden zusammen mit Jutta Schreckenbach, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, in der Tagesklinik behandelt. Das Konzept sei nicht starr, sondern werde individuell und kleinschrittig an die Patienten angepasst. „Wir führen jetzt wieder ein annähernd normales Familienleben“, resümiert die 33-Jährige Christiane.

Zunächst wurde Bastian stationär in der Kinderpsychiatrie in Gehlsdorf aufgenommen, um durch eine vorgegebene Tagesstruktur, bestehend aus Spiel- und Mahlzeiten, Gesprächen, Ergo-, Musik-, und Bewegungstherapie, die Verhaltensproblematik zu bearbeiten und so wichtige Grundlagen für die gemeinsame Behandlung zu schaffen. In einem nächsten Schritt ging es für den Jungen in die tagesklinische Betreuung nach Bad Doberan. Dort, in der Tagesklinik der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte seine Mutter während Bastians stationärer Behandlung selbst psychiatrische Hilfe angenommen. Durch die enge Zusammenarbeit von Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie sei eine gemeinsame Therapie von Eltern und Kind möglich, die darauf abziele, die Interaktion zwischen Eltern und Kind wieder zu verbessern. „Unser Ziel besteht darin, Christiane die große Unsicherheit zu nehmen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie in ihrer Rolle als Mutter zu stärken“, erklärt Dück. Es sei entscheidend für die Bewältigung des Alltags, dass Eltern auf ihre Ressourcen achten.

Damit Mutter und Sohn zurück zueinander finden, verbrachten sie nach langer Zeit in der Tagesklinik wieder die ersten gemeinsamen Momente. Sport- und Spielübungen sowie Gespräche halfen ihnen langsam, sich gegenseitiges Vertrauen zu schenken und sich erneut schätzen zu lernen. Dabei ließen sich Christiane und Bastian filmen, um selbst zu sehen, wie sie miteinander umgehen. Bei der Musiktherapie haben wir gelernt, im gleichen Takt zu schlagen“, sagt die 33-Jährige. Und in der Ergotherapie haben sie in Gemeinschaftsarbeit kleine Kunstwerke hergestellt.

Was die letzten Jahre undenkbar war, ist für die kleine Familie nun Wirklichkeit geworden. „Wir reden viel mehr miteinander, sprechen über Probleme, suchen gemeinsam nach Lösungen - wir verstehen uns wirklich gut“, sagt Christiane stolz. Sie hat aber auch gelernt, sich mal Zeit für sich zu nehmen, wenn ihr alles über den Kopf wächst. Alleine spazieren gehen, ein Buch lesen - dabei kann sie Kraft tanken und danach wieder voll für ihren Basti da sein.

Zu Hause klappt es jetzt ebenfalls viel besser. Die Struktur aus der Tagesklinik versucht Christiane weitgehend beizubehalten. Die junge Mutter hat außerdem ein Belohnungssystem aus der Klinik übernommen - in abgespeckter Form. Sind beide eine Woche lang gut miteinander umgegangen, belohnen sie sich mit einem kleinen Erlebnis - einmal Eis essen oder ein gemeinsamer Filmabend. Nach ihrer Mutter-Kind-Therapie sind Christiane und Bastian auch weiterhin in ambulanter Betreuung. „Das sichert langfristig den Erfolg“, begründet der Kinderpsychiater.