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Neuer Chef der Uni-Augenklinik träumt von der Telemedizin

28. Juli 2014

Prof. Dr. Anselm Jünemann.

Die Uni-Augenklinik hat einen neuen Leiter. Prof. Dr. Anselm Jünemann bringt nicht nur neue Operationstechniken mit. Sondern auch einen Pilotenschein.

Seit Anfang Juli ist Prof. Dr. Anselm Jünemann Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde an der Universitätsmedizin Rostock. Der in Münster geborene Augenarzt ist Spezialist für Glaukome - den Grünen Star - und war zuletzt als geschäftsführender Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Erlangen tätig. Jünemann tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Rudolf Gut­hoff an. Dieser leitet nun kommissarisch das Institut für Biomedizinische Technik in Warnemünde.

Von den Bergen ans Meer - für den neuen Direktor ein willkommener Wechsel: „Die See habe ich immer gemocht“, so der 52-Jährige. „Es ist überall dort schön, wo die Menschen nett sind. Das ist hier der Fall.“ Einen positiven ersten Monat habe er hinter sich, berichtet der Augenarzt. „Ich wurde mit offenen Armen von meinem neuen Team empfangen.“

Nun wolle er das Rostocker Haus zu einem konkurrenzfähigen „Leuchtturm der Augenheilkunde“ ausbauen: „Unsere Klinik bietet künftig das gesamte Spektrum der Augenheilkunde an, mit Verfahren, die individuell an die Bedürfnisse angepasst werden. Dafür sind wir Ansprechpartner für alle niedergelassenen Ärzte, die ihre Patienten an uns überweisen können.“ Die bisherigen Schwerpunkte bleiben dabei erhalten. „In Bereichen wie der Netzhaut-, Tumor- und Kataraktchirurgie und auch in der konservativen Augenheilkunde haben wir tolle Experten vor Ort.“ 

Daneben soll künftig die Glaukomchirurgie mit neuen minimalinvasiven Technologien ausgebaut werden: „Augen sind nicht für Tropfen gebaut“, so der Spezialist. „Wir können den Grünen Star zwar nicht wegoperieren, aber den Augeninnendruck normalisieren.“ Seinen Fokus legt Jünemann darüber hinaus auch auf Kinderchirurgie, moderne Techniken der Hornhautchirurgie und den Einsatz von Lasern. „Trotzdem bleibt die beste Operation die, die man nicht machen muss", sagt er.

Um fundierte Diagnosen zu stellen, soll langfristig der Bereich der Telemedizin ausgebaut werden. „In der Augenheilkunde ist es nicht zwingend notwendig, dass Patienten einen langen Weg auf sich nehmen, um zu uns zu kommen“, erklärt Jünemann. „Stattdessen können wir heute per Video und Foto klare Aussagen treffen.“ Auch für den Ausbau eines Kurangebots für Menschen mit chronischen Augenkrankheiten interessiert er sich. Rostock, direkt an Fluss, Hafen und Meer gelegen, biete dafür die besten Voraussetzungen.

Während heutzutage die Erkrankungen der Augen in der alternden Bevölkerung deutlich zunähmen, mache man auch in der Forschung große Fortschritte: „Die Patienten erholen sich schneller von Operationen. Zum Teil können wir die Eingriffe unter Lokalbetäubung durchführen, ohne dass ein langer Krankenhausaufenthalt notwendig wird.“ Um weiterhin und auch auf internationaler Ebene neue Erkenntnisse zu etablieren und bessere Materialien zu entwickeln, will Jünemann außerdem ein Studienzentrum aufbauen. „Ohne Sehen geht es nicht. Wir müssen uns darum bemühen, dass wir auch im Alter noch gut gucken können.“ Ärzte, Pfleger und Patienten sollen daher auf regelmäßigen Weiterbildungen auf den neuesten Stand gebracht werden. „Auch unseren angehenden Ärzten möchte ich zeigen, dass die Augenheilkunde ein fantastisches Feld ist“, sagt Jünemann. Zwar gelte sie bei vielen als kleines Fach, bei dem man gut „auf Lücke lernen“ könne, dennoch sollten Studenten das Wichtigste mitnehmen: „Wenn sie später bei Kindern ein Schielen erkennen können und einen verschleppten Glaukomanfall nicht für einen Magenkrampf halten, bin ich zufrieden", sagt der Mediziner.

Jünemann studierte in seiner Heimatstadt Münster und kam 1989 als Assistenzarzt nach Erlangen. Dort erfolgte 1995 die Anerkennung als Facharzt für Augenheilkunde. Im Jahr 2000 habilitierte sich Jünemann zur Frühdiagnose chronischer Glaukome und erhielt die Lehrberechtigung für das Fach Ophthalmologie. Im Oktober 2006 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt sowie zum geschäftsführenden Oberarzt an der Universitätsaugenklinik Erlangen, wo er seitdem zahlreiche wissenschaftliche Projekte in der Glaukomforschung leitete.

Ein klarer Weg - auf dem sich aber auch vier Semester an einer Musikhochschule finden lassen: „Ich habe einst angefangen, Klavier und Geige zu studieren“, so Jünemann. „Musik geht aber auch als Hobby. Medizin nicht.“ Also wandte er sich seiner Berufung zu - das Hobby pflegt er jedoch weiterhin, zuletzt in einem kleinen Erlangener Jazz-Trio; der Augenarzt saß am Flügel. 

Für die Musik bleibt im Moment zwischen Antrittsbesuchen, Behandlungen und Operationen wohl wenig Zeit, muss der Augenarzt doch auch sein neues Zuhause noch kennenlernen. Was er gern tut: „Die Stadt liegt nicht irgendwo“, sagt Jünemann. „Hier hat man jederzeit die Möglichkeit, mit der S-Bahn an den Strand zu fahren.“ Oder, wie er selbst, mit dem Drahtesel: „Ich erkunde alles mit dem Rad. Ein Auto habe ich hier noch nicht.“ Auch von oben hat der Direktor die Hansestadt schon begutachtet: „Seit drei Jahren habe ich den Pilotenschein. Also ging ich kürzlich von Purksdorf aus ab in die Luft“, berichtet er und zeigt zum Beweis ein paar besondere Luftbilder. Von seinem neuen Arbeitsplatz. Der Augenklinik.