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Traum von der tragbaren Niere - Rostocker liefern Grundlage

08. März 2018

Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft wollen Dialyse vereinfachen und mobil machen.

Eine tragbare, kaum sichtbare Kunstniere, die Patienten jederzeit eine Dialyse ermöglicht - diese Vorstellung könnte in einigen Jahren Wirklichkeit werden. Unter Leitung von Prof. Dr. Steffen Mitzner, Direktor der Sektion Nephrologie an der Universitätsmedizin Rostock, arbeitet ein Forscher-Team am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) daran, dem Geheimnis der tragbaren Niere auf die Schliche zu kommen. Ein elementares Problem - die kostengünstige Breitstellung und Aufbereitung von Dialysewasser - konnte jetzt gelöst werden.

Patienten, die an schweren Nierenerkrankungen leiden, müssen sich regelmäßig der Dialyse unterziehen, einer Blutwäsche, bei der schädliche Abfallprodukte aus dem Körper herausgefiltert werden. Das Verfahren ahmt die Reinigungsfunktion der Nieren nach - und für eine gründliche Reinigung braucht es vor allem eines: Wasser. „Mindestens 200 Liter pro Woche“, so Nierenspezialist Mitzner. „So viel Wasser ist nicht in allen Regionen der Welt zugänglich, den Patienten dort bleibt oft eine angemessene Behandlung versagt.“ Das Rostocker Team hat daher die Wasserversorgung der Dialyse so überarbeitet, dass Wasser verwendet wird, das dem Patienten zuvor im Rahmen der Dialyse ohnehin entzogen wird. „Der Patient speist also das Verfahren mit seinem eigenen Körperwasser, ohne auszutrocknen“, sagt Dr. Rainer Goldau, Physiker am IZI.

Auf dieser Grundlage könnte die tragbare Niere aus zwei Teilen bestehen: Das aufbereitete Wasser trägt der Patient in einer Weste direkt am Körper bei sich. Zur Reinigung verbindet er den tragbaren Teil in regelmäßigen Abständen mit einer Basisstation, die durch Strom aus Steckdosen, Solarzellen oder dem Auto betrieben werden kann. Die Basis befreit das Wasser aus der Weste von Schadstoffen. „Und zwar durch Kryoreinigung“, so Goldau. Hinter dem Begriff steckt ein Verfahren, mit dem das Wasser gefroren wird und sich so problemlos von Abfallprodukten und Giften befreien lässt. Etwa 90 Prozent des recycelten Frischwassers werden dann zum Patienten zurück geleitet. „Der Patient trägt somit nicht die gesamte Reinigungstechnik mit sich herum, sondern nur das aufbereitete Wasser“, so Goldau. „Das bedeutet für den Betroffenen mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität.“ 

Noch stecke die Entwicklung der tragbaren Niere in Kinderschuhen, so der Physiker. Im Mai möchte er die Ergebnisse aus der Laborforschung auf einem Fachkongress präsentieren.