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Vorbeugen statt behandeln: Studie zur Demenzprävention

09. Juni 2017

Prof. Dr. Stefan Teipel (rechts) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Martin Dyrba bei der Auswertung von Forschungsergebnissen.

Wirkung von cholesterinsenkendem Medikament im Test / Patienten für zweiten Studienabschnitt gesucht

Rostock/Hansaviertel - In einer von der Berliner Charité geleiteten Studie wollen Wissenschaftler der Rostocker Unimedizin das Risiko für Demenzerkrankungen verringern. In einem ersten, bereits abgeschlossenen Studienteil haben sie bei Patienten über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet, wie sich ein cholesterinsenkendes Medikament auf die kognitiven Leistungen auswirkt. Epidemiologische Studien gaben zuvor erste Hinweise, dass das Medikament vorbeugend wirken und den Ausbruch von Demenzerkrankungen hinauszögern könnte. „Die Studie wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die tatsächliche Wirksamkeit zu klären“, erläutert Studienleiterin Prof. Isabella Heuser von der Charité.

Das getestete Medikament heißt Simvastatin. „Es wird schon lange bei zu hohem Cholesterinspiegel verschrieben“, erklärt Arne Klostermann, Studienkoordinator von der Charité. Bekannt ist, dass neben der eigentlichen Wirkung – der Senkung des Cholesterinwertes – die so genannten Cholesterinsenker u.a. auch entzündungshemmend wirken und für eine verbesserte Durchblutung förderlich sind. Ob das Medikament damit auch einer Demenz vorbeugen kann, das soll in der Studie herausgefunden werden. 

„Es gibt viele Hinweise aus vorherigen Studien, dass eine frühzeitige Therapie wichtig ist, um die Entwicklung einer Demenz zu verhindern“, sagt  Prof. Dr. Stefan Teipel, Leiter der Studie an der Unimedizin Rostock. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten nimmt er mit seinem Team weitere Patienten ab 55 Jahren in die Studie auf, die vermehrt über ihre Vergesslichkeit klagen und bei denen in einer Gedächtnisuntersuchung eine Gedächtnisstörung festgestellt wird. Handelt es sich dabei um eine leichte kognitive Störung, aber noch nicht um eine Demenz, ist eine Teilnahme möglich. 

Nachdem im ersten Studienteil die Hälfte der Patienten ein sogenanntes Pacebo erhalten hatte, erhält nun mit dem Start des zweiten Abschnitts der Studie jeder Patient das Medikament, nur in unterschiedlicher Dosierung. „Eine Gruppe bekommt 60 Milligramm Simvastatin, die andere Gruppe 20 Milligramm“, erklärt der Rostocker Neurologe Dr. Ingo Kilimann. Die Studie läuft weiterhin über vier Jahre und soll 260 Teilnehmer umfassen. Nach einer umfassenden Aufklärung wird jeder Teilnehmer neuropsychologisch untersucht. Optional werden auch MRT-Aufnahmen vom Gehirn angefertigt. Einigen Patienten wird zudem Nervenwasser für weitergehende Laboranalysen entnommen. „Menschen, die ein erhöhtes Risiko für eine Herzkreislauferkrankung haben benötigen meist Cholesterinsenker in höheren Dosierungen und können deshalb leider nicht an der Studie teilnehmen“, sagt Kilimann. Die Forscher suchen Teilnehmer ohne schwerwiegende Vorerkrankungen und mit einem Angehörigen. Denn um besonders realitätsnahe Ergebnisse zu erzielen sei es sehr hilfreich, wenn neben den Medizinern auch jemand aus der Familie oder dem nahen Freundeskreis die Gedächtnisleistung des Teilnehmers beurteilt, so Kilimann. „Deshalb benötigen wir für jeden Teilnehmer auch einen guten Bekannten oder ein Familienmitglied, um aktiv die Studie zu begleiten.“ In regelmäßigen Abständen überprüfen die Mediziner, ob und wie sich Gedächtnisleistung und Alltagsfertigkeiten im Studienverlauf verändern. Auch werden regelmäßig die Blutwerte untersucht. Erst nach Beendigung der Studie und Auswertung aller Daten können die Mediziner eine erste Aussage treffen, ob Simvastatin der Entwicklung einer Demenz vorbeugen kann. 

Die klinische Studie in Rostock gehört zu den wenigen, bei der eine Demenz verhindert werden soll, bevor sie überhaupt auftritt. Interessierte können sich bei der Klinik für Psychosomatik der Universitätsmedizin Rostock, Gehlsheimer Straße 20, unter Tel. 0381/494 4767 informieren.