Rostock – Innenminister Christian Pegel hat sich heute, 25. September 2026, im Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie an der Universitätsmedizin Rostock über den internationalen Acute Care in Trauma (ACT)-Kurs informiert. Die Spezialfortbildung lief seit dem 24. September und dauerte bis zum 26. September. Sie vermittelte Chirurginnen und Chirurgen verschiedener Disziplinen operative Fähigkeiten für die Versorgung schwerster Verletzungen. Dazu gehörten auch Verletzungsmuster, wie sie nach Schussverletzungen oder Explosionen auftreten können.
Pegel machte sich vor Ort ein Bild von den praktischen Trainingsbedingungen und den Anforderungen an die medizinische Versorgung in Folge von besonderen Gefahren- und Krisenlagen. „Die Vorbereitung auf besondere Notfallsituationen braucht realitätsnahe Trainingsbedingungen. Der ACT-Kurs zeigt, wie medizinische Fachkräfte auch für Verletzungsmuster trainieren können, die im klinischen Alltag nur selten vorkommen“, sagte Pegel. Der Kurs fand in enger Zusammenarbeit mit der Akademie der Unfallchirurgie (AUC) statt und richtete sich an Fachkräfte, die komplexe Verletzungsmuster unter hohem Zeit- und Entscheidungsdruck versorgen mussten.
Die Fortbildung war in mehrere aufeinander abgestimmte Phasen gegliedert. An Körperspendern trainierten die Teilnehmer zunächst chirurgische Zugangswege zu Blutgefäßen. Diese Techniken waren insbesondere bei starken Blutungen entscheidend. Anschließend folgte ein sogenanntes Live-Tissue-Training an narkotisierten Tiermodellen. Unter fachlicher Anleitung versorgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer realitätsnahe Verletzungen. Die Szenarien reichten von einzelnen Verletzungen bis zu komplexen Mehrfachtraumata.
„Wir brauchen diese Form der Ausbildung, weil wir die Abläufe und Verletzungsmuster weder im OP noch auf Station realistisch abbilden können“, erklärte Prof. Dr. Sven Märdian, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Der Kurs habe eine enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachbereiche erfordert. Zugleich müssten sich Kliniken auf besondere Anforderungen bei der Versorgung vieler schwer verletzter Menschen vorbereiten. Eine wichtige Rolle spielte dabei das sogenannte Berliner Notfallsieb, das nach dem Anschlag am Breitscheidplatz auch unter Mitwirkung von Märdian entwickelt worden war. Es ermöglichte, Verletzte unter hohem Zeitdruck effektiv und ressourcenschonend zu operieren.
Auch die Zusammenarbeit im Behandlungsteam wurde unter realistischen Bedingungen trainiert. „Bei der Versorgung schwer verletzter Patientinnen und Patienten müssen nicht nur einzelne Handgriffe sicher beherrscht werden. Entscheidend ist auch, dass die Abläufe im gesamten Team funktionieren“, sagte Prof. Dr. Brigitte Vollmar, Direktorin des Rudolf-Zenker-Instituts für Experimentelle Chirurgie. Die Übungen seien deshalb so angelegt gewesen, dass die Teilnehmenden medizinische Entscheidungen und operative Maßnahmen auch unter erheblichem zeitlichem Druck treffen mussten.
Für die Durchführung des ACT-Kurses arbeiteten mehrere Einrichtungen der Universitätsmedizin Rostock zusammen. Das Institut für Anatomie unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Markus Kipp unterstützte die praktischen Übungen. Das Institut für Rechtsmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Büttner war ebenfalls an der Durchführung und Auswertung beteiligt. Auch die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie unter Leitung von Prof. Dr. Daniel Reuter unterstützte den Kurs mit Anästhesistinnen und Anästhesisten. Zudem wirkten Anästhesie- und Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten an der Fortbildung mit.















