Biobanken sammeln und erschließen Gewebe, Blut und andere biologische Proben für die Forschung. Ihr wissenschaftlicher Wert steigt erheblich, wenn hochwertiges Biomaterial mit klinischen und molekularen Informationen verbunden und für Forschungsprojekte standortübergreifend nutzbar gemacht werden kann. Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt des 14. Nationalen Biobanken-Symposiums am 15. und 16. September in Berlin. Rund 200 Fachleute aus Forschung, Versorgung, Biobanken und Industrie nahmen daran teil.
Die Universitätsmedizin Rostock war dabei mit einem eigenen wissenschaftlichen Beitrag vertreten: PD Dr. Claudia Maletzki von der Klinik und Poliklinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie, Stammzelltherapie und Palliativmedizin eröffnete mit ihrem Vortrag die wissenschaftlichen Beiträge des Symposiums. Ihre Forschung ist in die onkologische Forschung des Comprehensive Cancer Centers Mecklenburg-Vorpommern (CCC-MV) eingebunden. Claudia Maletzki stellte die in Rostock aufgebaute Tumor-Organoid-Biobank vor und beleuchtete die komplexen praktischen Abläufe von der Probengewinnung im Operationssaal bis zur qualitätsgesicherten Bereitstellung für die praxisorientierte Krebsforschung.
Lebende Modelle statt starrer Probenarchive
Im Mittelpunkt der Rostocker Forschungsarbeit stehen sogenannte patientenabgeleitete Organoide. Dabei handelt es sich um dreidimensionale Tumormodelle oder „Mini-Tumoren“, die im Labor aus echtem Tumorgewebe herangezogen werden. Das Besondere an Ihnen ist Sie können wichtige biologische Eigenschaften des ursprünglichen Tumors erhalten. Die Forschungsgruppe um Claudia Maletzki hat dafür an der UMR eine Infrastruktur für Gewebe-, Liquid- und Organoid-Biobanking etabliert. Die Daten zeigen einen beachtlichen Erfolg: Eingelagerte Organoide lassen sich nach der Tiefkühlung in der Biobank erfolgreich rekultivieren und stehen damit erneut für Forschungsfragen zur Verfügung.
Die Rostocker Forschung wurde auch während des Biobanken-Symposiums in Berlin als Beispiel für innovatives Biobanking hervorgehoben. Aufgegriffen wurde vor allem eine Machbarkeitsstudie an Kopf-Hals-Tumoren: Hierbei kombinierten die Rostocker Forschenden die Mini-Tumoren mit patienteneigenen Immunzellen. Das Ergebnis zeigt das Potenzial der Methode, das Ansprechen auf moderne Krebs-Immuntherapien (wie Anti-PD-1-Antikörper) im Labor funktionell abzubilden.
Die Zeit unmittelbar nach der Gewebeentnahme entscheidet
Die wichtigste Voraussetzung für solche verlässlichen Modelle sind standardisierte, exakt getaktete Prozesse. Die Zeit, die zwischen der Entnahme im OP und der Verarbeitung des Tumorgewebes im Labor vergeht (die sogenannte Ischämiezeit), spielt eine entscheidende Rolle. Die Rostocker Daten belegen: Je länger das Gewebe unversorgt bleibt, desto merklicher sinkt die Erfolgsrate bei der Zucht der Organoide.
„Wir konnten zeigen, dass bei uns am Standort standardisierte Prozesse entlang der gesamten Kette von der OP-Vorbereitung bis zur Kultivierung implementiert wurden. Diese sind entscheidend für die Qualität und Reproduzierbarkeit von Organoid-Modellen“, betont Maletzki. Damit ist die Organoid-Biobank zugleich ein interdisziplinäres Infrastrukturprojekt, bei dem klinische Bereiche, Pathologie und Laboratorien der UMR eng zusammenarbeiten.
Organoid Core Unit als nächster Entwicklungsschritt
Diese Strukturen sollen in Rostock nun weiterentwickelt und gebündelt werden. Geplant ist der Aufbau einer Organoid Core Unit. Über diese zentrale Forschungseinheit werden das gebündelte Fachwissen, standardisierte Verfahren und moderne technische Ressourcen auch anderen wissenschaftlichen Arbeitsgruppen zugänglich gemacht. Der Start für diese neue Infrastruktur ist nach derzeitiger Planung bereits für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
„Für das CCC-MV und die Universitätsmedizin Rostock bietet die Weiterentwicklung der Organoid-Biobank die hervorragende Möglichkeit, eine wichtige Forschungsinfrastruktur am Standort zu etablieren“, betont Claudia Maletzki. „Damit verbinden wir unsere vorhandenen Kompetenzen im Biobanking und in der Präanalytik direkt mit der präklinisch-translationalen Onkologie.“
Damit fügt sich die Rostocker Entwicklung in einen bundesweiten Wandel ein. Es gehe darum, hochwertige Proben und lebende Modelle nach definierten Qualitätsstandards für die Wissenschaft besser zugänglich und über Projekte hinweg nutzbar zu machen.
Für die Krebsforschung des Comprehensive Cancer Centers Mecklenburg-Vorpommern (CCC-MV) eröffnet die Organoid-Biobank darüber hinaus eine langfristige Perspektive auf funktionelle Modelle für die personalisierte Krebsforschung. Patientenabgeleitete Modelle können dabei helfen, Krankheitsmechanismen und neue Therapieansätze näher an der individuellen Tumorbiologie zu untersuchen. Ein unmittelbarer Einsatz der Organoide zur Auswahl einer Routine-Therapie ist derzeit aber noch nicht Teil der klinischen Routine. Mit der geplanten Core Unit sollen diese Modelle aber künftig für weitere Forschungsgruppen und Projekte am Standort verfügbar werden.
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PD Dr. Claudia Maletzki
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
















