Rostock, 13. Oktober 2026 – Mit einer kurzweiligen Auftaktveranstaltung ist am Dienstag das neue Else Kröner-Promotionskolleg „Schritt“ an der Universitätsmedizin Rostock gestartet. Insgesamt 14 Studierende beginnen im Rahmen des Kollegs ihre einjährige wissenschaftliche Forschungsarbeit in 14 verschiedenen Arbeitsgruppen. Ziel des interdisziplinären Forschungsprogramms ist es, die Ursachen von Gangstörungen besser zu verstehen und neue Ansätze für deren Früherkennung, Prävention und Therapie zu entwickeln.
Der aufrechte Gang ist eine der charakteristischen Fähigkeiten des Menschen und zugleich das Ergebnis eines hochkomplexen Zusammenspiels von Nervensystem, Muskulatur und Bewegungsapparat. Zahlreiche Erkrankungen und altersbedingte Veränderungen können dieses Zusammenspiel beeinträchtigen und damit die Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität erheblich einschränken.
Genau hier setzt das neue Promotionskolleg an. Die Promovierenden beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Gang- und Orientierungsstörungen bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Osteoporose, Arthrose, Alzheimer und Morbus Parkinson. Dabei werden moderne Analysen des menschlichen Gangbildes mit experimentellen Untersuchungen in Tiermodellen sowie der Erforschung neuronaler Prozesse und krankhafter Veränderungen des Bewegungsapparates verknüpft.
Ein besonderes Merkmal des Kollegs ist seine konsequent interdisziplinäre Ausrichtung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Medizin, der Informatik und Elektrotechnik sowie den Sportwissenschaften arbeiten zukünftig gemeinsam daran, Erkrankungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen und innovative diagnostische und therapeutische Konzepte zu entwickeln.
„Unser Ziel ist es, Gangstörungen nicht erst dann zu erkennen, wenn die Mobilität bereits deutlich eingeschränkt ist. Wir möchten verstehen, welche Veränderungen frühzeitig auftreten und wie sich daraus neue Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung ableiten lassen“, erläutert Prof. Dr. Dr. Markus Kipp, Direktor des Instituts für Anatomie und Sprecher des Promotionskollegs. „Gerade die Verbindung von klinischer Forschung, experimenteller Grundlagenwissenschaft und technologischer Innovation eröffnet hier vielversprechende Perspektiven.“
Einen besonderen wissenschaftlichen Akzent setzte beim Kick-off Prof. Dr.-Ing. John Nassour, der kürzlich auf die Brückenprofessur für Intelligente Systeme in der Medizin berufen wurde. In seinem Impulsvortrag stellte er das Potenzial moderner Exoskelette vor und zeigte auf, wie intelligente technische Assistenzsysteme künftig Menschen mit eingeschränkter Mobilität unterstützen können. Der Vortrag verdeutlichte beispielhaft, welche Chancen sich aus der engen Zusammenarbeit von Medizin und Ingenieurwissenschaften ergeben.
Neben der individuellen Forschungsarbeit bietet das Promotionskolleg den Teilnehmenden ein umfassendes wissenschaftliches Qualifizierungsprogramm. Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen, wissenschaftliche Retreats und die Teilnahme an nationalen und internationalen Kongressen sollen den fachlichen Austausch fördern, methodische Kompetenzen vertiefen und den Aufbau wissenschaftlicher Netzwerke unterstützen. Zugleich erhalten die Studierenden frühzeitig die Möglichkeit, eigenständig wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten und Erfahrungen in der interdisziplinären Forschung zu sammeln.
Die organisatorische und wissenschaftliche Koordination übernimmt Dr. Katarina Gerdinand.
Mit dem Start des Else Kröner-Promotionskollegs „Schritt“ wird die interdisziplinäre Nachwuchsförderung am Wissenschaftsstandort Rostock weiter gestärkt. Die Verbindung von medizinischer Grundlagenforschung, klinischer Expertise und modernen Technologien soll langfristig dazu beitragen, Mobilität und Selbstständigkeit von Menschen bis ins hohe Alter zu erhalten.














