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Anna-Henrikje Seidlein als erste Professorin für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Rostock berufen

08. July 2026
Frau mit langen braunen Haaren, Brille und hellblauem Blazer lächelt in die Kamera vor hellem, unscharfem Hintergrund

Prof. Anna-Henrikje Seidlein ist erste Professorin für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Rostock. Bildquelle: Ecki Raff

Die neue Lehrstuhlinhaberin will die Forschung zu Ethik in der Pflege ausbauen

Rostock – Prof. Dr. Anna-Henrikje Seidlein ist seit 1. Juli 2026 die erste Inhaberin des Lehrstuhls für Pflegewissenschaft an der Universitätsmedizin Rostock. Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit erweitert sie das Profil der Pflegewissenschaft insbesondere in den Bereichen klinische Ethik und interprofessionelle Zusammenarbeit in der Intensivmedizin sowie bei Fragestellungen zur Organspende. Die Professorin bringt langjährige Erfahrungen aus der Intensivpflege und der Forschung mit und verbindet pflegewissenschaftliche Fragestellungen mit der klinischen Versorgung.

Prof. Seidlein war zuletzt Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Greifswald. Parallel zu ihrem wissenschaftlichen Werdegang arbeitete sie insgesamt 17 Jahre in der Intensivpflege und kennt die Herausforderungen des Berufsalltags aus eigener Erfahrung. Ein Schwerpunkt ihrer aktuellen Forschung liegt auf der Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod sowie den ethischen Fragen, die Pflegefachpersonen bei der Betreuung potenzieller Organspenderinnen und Organspender begleiten. Sie untersucht unter anderem, wie Pflegeteams mit persönlichen Einstellungen zur Organspende umgehen. Prof. Seidlein engagiert sich zudem in zahlreichen Fachgesellschaften und -publikationen. Sie ist u. a. seit 2022 stellvertretende Vorsitzende der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft und seit 2024 berufenes Mitglied im Advisory Board der Zeitschrift Nursing in Critical Care.

„Pflegefachpersonen begleiten Menschen in medizinisch und ethisch besonders anspruchsvollen Situationen. Gerade in der Intensivpflege treffen fachliche Entscheidungen, persönliche Überzeugungen und professionelle Verantwortung unmittelbar aufeinander. Diese Perspektive möchte ich mit unserer Forschung sichtbar machen und wissenschaftlich fundiert weiterentwickeln“, sagt Prof. Seidlein.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das moralische Belastungserleben von Pflegefachpersonen. Gemeint sind Situationen, in denen sie z.B. aufgrund begrenzter personeller oder organisatorischer Ressourcen gezwungen sind, entgegen ihren professionellen Wertvorstellungen zu handeln. Darüber hinaus untersucht Prof. Seidlein die Rolle der Pflegefachpersonen in der klinischen Ethik sowie die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Dabei soll die Kooperation mit der Hebammenwissenschaft eng ausgebaut werden.

„Mit Prof. Seidlein gewinnt die Universitätsmedizin Rostock eine ausgewiesene Pflegewissenschaftlerin, die klinische Erfahrung und wissenschaftliche Exzellenz verbindet. Ihre Forschung greift gesellschaftlich und medizinisch hochrelevante Themen auf und wird die Entwicklung der Pflegewissenschaft sowie den interprofessionellen Austausch an unserem Standort entscheidend bereichern“, sagt Prof. Dr. Bernd Krause, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock.

Die Berufung unterstreicht die Bedeutung der Pflegewissenschaft als eigenständige wissenschaftliche Disziplin innerhalb der Universitätsmedizin Rostock. Erkenntnisse aus der Forschung sollen dazu beitragen, ethische Fragestellungen in der Versorgung systematisch zu untersuchen und Handlungsempfehlungen für den klinischen Alltag zu entwickeln. Davon profitieren insbesondere Bereiche wie die Intensivmedizin, die Transplantationsmedizin und die interprofessionelle Patientenversorgung.

„Pflegewissenschaft schafft die Grundlage dafür, pflegerisches Handeln mit wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterzuentwickeln. Dass Prof. Dr. Seidlein ihre klinische Erfahrung mit innovativer Forschung verbindet, ist für unsere Pflege und für die Ausbildung zukünftiger Pflegefachpersonen von großem Wert. Ich freue mich besonders darauf, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis gemeinsam weiter auszubauen“, sagt Annett Laban, Pflegevorstand der Universitätsmedizin Rostock.