Was wie ein modernes Wundermittel wirkt, ist eigentlich gar nicht neu: Bakteriophagen. Das sind spezielle für den Menschen ungefährliche Viren, die in Bakterien eindringen und sie durch die eigene Vermehrung abtöten. Durch eine Kettenreaktion werden schließlich diese Bakterien abgetötet, ohne die nützlichen Bakterien des Mikrobioms zu schädigen. Bekannt ist der Vorgang schon seit 100 Jahren und so einfach wie das klingt, ist es nicht. Denn jeder Phage ist nur auf bestimmte Bakterien spezialisiert. Welche Bakteriophage gegen welche Krankheit hilft und wie diese zum Patienten kommt, daran forscht Wissenschaftlerin Dr. Katharina Ekat mit ihren Kolleginnen vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universitätsmedizin Rostock. Zusammen mit Masterstudentin Julia Marcinek hat sie sich erfolgreich auf das Frauenförderprogramm exist Women 2026 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beworben, das von der Universität Rostock unterstützt wird. Während Marcinek ein dreimonatiges Stipendium von jeweils 2500 Euro erhält, bekommen beide Sachmittel über 4000 Euro, die vollständig in die Forschung fließen.
Drei klare Ziele hat sich das Frauenteam, welches außerdem aus Ärztin Dr. Romy Skusa und den Medical Lotte Scharnagel und Masterstudentin Paula Gurgel besteht, gesetzt: Eine Biobank für Bakteriophagen aufbauen, einen Test entwickeln, mit dem die Wirksamkeit der Phagen auf Bakterien ermittelt werden kann, und Phagen-beladene Biomaterialien für die Anwendung am Patienten entwickeln.
Dafür fängt das Team buchstäblich im Keller an: im Keller der Inneren Medizin und der Zahnheilkunde. Aus Abwasserleitungen entnehmen sie Proben und isolieren die vorhandenen Bakteriophagen heraus. „Das Spektrum umfasste bisher genau das, was wir suchen – die Klassiker wie E. coli, Staphylokokken und andere Bakterien aus Wundinfektionen“, erklärt Dr. Katharina Ekat. Ihr Team untersucht und testet die Phagen im Labor an Bakterienstämmen. „Die Idee dahinter ist, dass die Phagen hochkonzentriert und anschließend gereinigt werden und künftig in Kombination mit Antibiotika bei Patienten, beispielsweise mit einer gestörten Wundheilung als Heilversuch zum Einsatz kommen können“, ergänzt Dr. Romy Skusa.
Wie das geschieht, dafür haben die Forscherinnen auch schon verschiedene Ideen. „Phagen könnten in Wundauflagen integriert oder mithilfe von Verabreichungssystemen auf Gelbasis direkt auf die Wunde aufgetragen werden“, so Dr. Katharina Ekat.
Damit ihre Forschung weiter voranschreiten kann, sind die Wissenschaftlerinnen auf der Suche nach Kooperationspartnern. Erste Kontakte wollen sie im Netzwerk des Förderprogramms sammeln und auch die angebotenen Weiterbildungen nutzen und die Idee vielleicht später zu einer Unternehmensgründung wachsen lassen.














