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Prof. Dr.-Ing. John Nassour übernimmt erste Brückenprofessur für Intelligente Systeme in der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock

17. August 2026
Mann in dunklem Anzug und hellblauer Krawatte steht vor einem modernen Gebäude mit Glasfassade und lächelt in die Kamera

Prof. Dr.-Ing. John Nassour ist neuer Lehrstuhlinhaber der Professur für Intelligente Systeme in der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock. Bildquelle: Universitätsmedizin Rostock

Patientenorientierte Forschung zu Soft-Hand-Exoskelett verbindet Künstliche Intelligenz, Robotik und Neurowissenschaften

Rostock – Prof. Dr.-Ing. John Nassour ist neuer Lehrstuhlinhaber der Professur für Intelligente Systeme in der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock. Der Robotik- und KI-Experte wechselte zum 15. August von der Technischen Universität München (TUM) nach Rostock, wo er zuletzt eine Forschungsgruppe leitete und mehrere internationale Forschungsprojekte zu Softrobotik, Exoskeletten und Künstlicher Intelligenz verantwortete. Die Professur ist die erste Brückenprofessur zwischen der Universitätsmedizin Rostock und der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock.

„Die Medizin steht vor der Aufgabe, immer komplexere Herausforderungen mit intelligenter Technologie zu verbinden. Mich reizt besonders die Möglichkeit, gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren Lösungen zu entwickeln, die eng mit Patientinnen und Patienten abgestimmt werden. Neue technische Systeme müssen sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren und im medizinischen Alltag einen konkreten Nutzen schaffen. Genau diese enge Zusammenarbeit zwischen Medizin und Technik bietet Rostock“, sagt Prof. Nassour.

Prof. Nassour erforscht intelligente Robotersysteme, Künstliche Intelligenz und weiche Assistenzsysteme für die Medizin. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit stehen Technologien, die menschliche Bewegungen erkennen, interpretieren und gezielt unterstützen. Internationale Aufmerksamkeit erhielt zuletzt ein von ihm mitentwickeltes Soft-Hand-Exoskelett. Der textile Spezialhandschuh erkennt mithilfe intelligenter Sensorik die beabsichtigte Greifbewegung von Menschen mit Lähmungen wie z. B. bei der neurodegenerativen Erkrankung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und unterstützt sie beim Greifen. Das in der Fachzeitschrift Nature Machine Intelligence veröffentlichte System verbindet Künstliche Intelligenz, Robotik und Neurowissenschaften und zeigt beispielhaft, wie sich aktuelle Forschung in konkrete Anwendungen für die Rehabilitation übertragen lässt.

Für Prof. Dr. Bernd Krause, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, fügt sich die Berufung konsequent in den Forschungsschwerpunkt HealthTech Medicine ein. Dort arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Medizin, Informatik, Ingenieurwissenschaften und weiteren Disziplinen gemeinsam an neuen Technologien für Diagnostik, Therapie und Rehabilitation. „Prof. Nassour bringt genau die wissenschaftliche Expertise mit, die wir für unseren Forschungsschwerpunkt HealthTech Medicine gewinnen wollen. Seine Arbeit verbindet Künstliche Intelligenz, Robotik und Medizintechnik mit konkreten klinischen Fragestellungen. Die Brückenprofessur schafft dafür eine dauerhafte Verbindung zwischen Universitätsmedizin und Fakultät für Informatik und Elektrotechnik.“

Nach seinem Studium der Elektronik und Automatisierungstechnik <in Syrien sowie einem Masterstudium für intelligente Kommunikationssysteme in Frankreich promovierte Prof. Nassour sowohl an der Université de Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines als auch an der Technischen Universität München im Fach Robotik. 2021 habilitierte er sich an der Technischen Universität Chemnitz mit einer Arbeit über biologisch inspirierte Bewegungsrepräsentationen für humanoide Robotik und weiche tragbare Robotersysteme. Zuletzt leitete er an der Technischen Universität München eine Forschungsgruppe und koordinierte unter anderem das Innovationsnetzwerk „Exoskeleton and Wearables Enhanced Prevention and Treatment (EXPRT)“ sowie das durch den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) geförderte Projekt „STROLL“, das intelligente Soft-Exoskelette für Menschen mit Bewegungseinschränkungen entwickelt. „Mich motiviert Forschung, die den Weg aus dem Labor in den klinischen Alltag findet. Intelligente Assistenzsysteme können medizinisches Personal entlasten und Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen“, sagt Prof. Nassour.

Die neue Professur verbindet die Forschungsbereiche beider Fakultäten und schafft zusätzliche Möglichkeiten für gemeinsame Projekte sowie eine interdisziplinäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Prof. Dr. Oliver Staadt, Dekan der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock, sieht darin eine wichtige Verbindung zwischen technischen und medizinischen Kompetenzen: „Die großen Herausforderungen in Medizin und Technik lassen sich nur gemeinsam lösen. Mit Prof. Nassour gewinnen wir einen international ausgewiesenen Wissenschaftler, dessen Forschung hervorragend zu den Schwerpunkten unserer Fakultät passt. Die Brückenprofessur intensiviert die Zusammenarbeit zwischen Informatik, Ingenieurwissenschaften und Universitätsmedizin und eröffnet neue Perspektiven für Forschung und Lehre im Bereich intelligenter medizinischer Technologien.“