Rostock – Die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie der Universitätsmedizin Rostock hat am Donnerstag, 10. September, ihre Fortbildungsreihe mit zwei außergewöhnlichen wissenschaftlichen Vorträgen fortgesetzt. Prof. Dr. Reinhard Genzel, Nobelpreisträger für Physik, und Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, sprachen über massereiche Schwarze Löcher sowie über Pandemien und Epidemien nach COVID-19. Die Veranstaltung brachte damit zwei Fachgebiete zusammen, die auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten haben.
Prof. Dr. Sebastian Haas, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Leiter der Perioperativen Anästhesie, hat die ungewöhnliche Zusammenstellung der Vorträge bewusst gewählt. „Wissenschaft lebt auch davon, dass wir uns mit Fragen beschäftigen, die zunächst weit vom eigenen Arbeitsgebiet entfernt erscheinen. Die Vorträge von Prof. Dr. Reinhard Genzel und Prof. Dr. Christian Drosten haben gezeigt, wie unterschiedlich wissenschaftliche Fragestellungen sein können und wie viel Erkenntnisgewinn aus dem Blick über die eigene Disziplin hinaus entstehen kann“, sagte Haas.
Prof. Genzel widmete sich in seinem Vortrag „Massereiche Schwarze Löcher: Evidenz und kosmologische Evolution“ den extrem massereichen Objekten im Zentrum von Galaxien. Der Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in München-Garching gehört zu den Forschern, deren Beobachtungen die Existenz des Schwarzen Lochs Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße belegt haben. Für seine bahnbrechende Forschung erhielt er 2020 gemeinsam mit Andrea Ghez und Roger Penrose den Nobelpreis für Physik.
Mit hochpräzisen Beobachtungsverfahren untersuchte die Forschungsgruppe um Genzel unter anderem Helligkeitsausbrüche von Gas aus der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs. Zudem beobachteten die Forscher eine durch die Masse des Schwarzen Lochs verursachte Gravitationsrotverschiebung im Licht eines vorbeiziehenden Sterns. „Die Astrophysik zeigt, wie aus präzisen Beobachtungen Erkenntnisse über Vorgänge entstehen können, die sich unserer unmittelbaren Erfahrung vollständig entziehen. Gerade diese Verbindung von Messung, Theorie und wissenschaftlicher Neugier macht die Beschäftigung mit Schwarzen Löchern so faszinierend“, sagte Genzel.
Anschließend wechselte der Blick vom Zentrum der Milchstraße zu den Ursachen und Folgen von Pandemien und Epidemien. Prof. Drosten sprach über „Pandemien und Epidemien: eine Perspektive nach COVID-19“.
An der Fortbildung nahmen rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus medizinischen und administrativen Bereichen sowie Auszubildende und Studierende der Universitätsmedizin Rostock teil. Die Fortbildungsreihe der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie verbindet damit fachliche Weiterbildung mit dem Austausch über die Grenzen einzelner medizinischer Disziplinen hinweg.















