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Außergewöhnliche Lebertransplantation erfolgreich durchgeführt

13. August 2019
Das interdisziplinäre Ärzteteam der Unimedizin Rostock mit Thomas und Carmen Krause

Das interdisziplinäre Ärzteteam der Unimedizin Rostock mit Thomas und Carmen Krause

Erste blutgruppenübergreifende Lebendspende-Lebertransplantation an Unimedizin Rostock

Thomas Krause (69) aus Rostock hat sich einer Operation unterzogen, die so in Mecklenburg-Vorpommern erstmals durchgeführt wurde. Eine Autoimmunerkrankung hatte seine Leber stark geschädigt. Ein passendes Organ eines verstorbenen Spenders stand nicht zur Verfügung. Nach etwa acht Wochen Behandlung und einer Lebertransplantation konnte er Ende Juli aus der Unimedizin Rostock entlassen werden.

Seine Frau Carmen (49) hat ihm einen Teil ihrer Leber gespendet und das, obwohl die beiden Eheleute nicht dieselbe Blutgruppe haben. Normalerweise sollten die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinander passen bzw. „kompatibel” sein. Die sogenannte AB0-inkompatible, also eine Transplantation über Blutgruppen hinweg, ist bei Nierentransplantationen durchaus üblich. Bei der Lebendspende einer Leber zwischen Erwachsenen ist eine solche Operation in Deutschland zwar bekannt, wird aber extrem selten umgesetzt.

Die Krauses wurden in der Unimedizin von einem interdisziplinären Team betreut. Prof. Dr. med. Tung Yu Tsui, Leiter der Sektion Onkologische Chirurgie mit dem Schwerpunkt Hepatobiliäre (Erkrankungen der Leber und Gallengänge) und Transplantationschirurgie, plante und realisierte die Eingriffe. „Die Operation bei Thomas Krause war sehr komplex und anspruchsvoll, zum Teil wurde mikrochirurgische Technik eingesetzt“, fasst Tsui zusammen. Der Chirurg hat weitreichende Erfahrungen mit Lebendspenden zwischen Erwachsenen, da diese in Asien viel häufiger als in Europa sind. Prof. Tsui prägt seit 2014 erfolgreich die Leber- und Tumorchirurgie an der Unimedizin Rostock und etabliert neue Verfahren.

„Nicht nur die Operation selbst war vielschichtig, sondern auch die Vorbehandlung immunologisch herausfordernd“, sagt Prof. Dr. Steffen Mitzner, Leiter der Sektion Nephrologie. Dort wurde in Zusammenarbeit mit Oberarzt Nico Greger, dem stellvertretenden Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, die Vorbehandlung von Thomas Krause ergänzt. Bei der sogenannten Konditionierung wird vor der Transplantation mit der Gabe von Medikamenten die Neubildung der Blutgruppen-Antikörper beim Organempfänger unterdrückt. Zudem muss er mit der Einnahme der Immunsuppressiva beginnen. Zusätzlich werden mit einem speziellen „Blutwäsche”-Verfahren verbliebene Blutgruppen-Antikörper aus dem Blut entfernt.

Thomas Krause hat sowohl die Vorbehandlung als auch die Operation sehr gut überstanden. „Ich habe mich von Anfang an bei Prof. Tsui super aufgehoben gefühlt“, sagt er. Dass er ausgerechnet von diesem erfahrenen Spezialisten operiert wurde, sei Schicksal gewesen. Auch Krauses Ehefrau Carmen geht es nach dem Eingriff gut. Ihre Leber wird sich von selbst regenerieren.