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Chronische Wunden besser versorgen: Expertenstandards in der Pflege vermitteln Kompetenz

09. October 2008

Chronische Wunden sind für Betroffene unangenehm und quälend. Die Lebensqualität ist beeinträchtigt, soziale Kontakte können leiden. Die Behandlung chronischer Wunden gehört in die Hände von Ärzten und Pflegefachkräften.

Doch die Betroffenen können lernen, zwischen den Behandlungen ihre Wunden kompetent selbst zu versorgen und damit zur Heilung beizutragen. Dazu wird am Uniklinikum Rostock gegenwärtig ein Expertenstandard in der Pflege umgesetzt.

 

Expertenstandards sind Instrumente, die möglichst genau und allgemeingültig und unter Berücksichtigung der Patientenbedürfnisse bestimmte Leistungsparameter in der Pflege festlegen. Dazu gehört auch die Dokumentation der Wundentwicklung und des Pflegeverlaufs. Seit Jahresbeginn erfolgte in der Abteilung für Endokrinologie der Klinik für Innere Medizin des Uniklinikums Rostock neben der Anwendung hausinterner Regelungen die Umsetzung des evidenzbasierten Expertenstandards „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“. Das Modellprojekt ist inzwischen abgeschlossen, die Erfahrungen werden für die flächendeckende Umsetzung im Klinikum ausgewertet. Fachlich wird die Einführung von einer interdisziplinären Projektgruppe unter Leitung von Pflegedirektorin Rosemarie Rahmig geleitet. „Neben der Anpassung des Standards auf unsere konkreten Bedingungen haben wir uns die Aufgabe gestellt, inhaltliche Fortbildungen zu den Grunderkrankungen zu gewährleisten und die Beratungskompetenz unserer Mitarbeiter, auch hinsichtlich des Umgangs mit den chronisch Kranken, zu erhöhen“, erläutert die Pflegedirektorin. Wesentliches Ziel sei es, die Lebenssituation der Patienten mit chronischen Wunden zu erleichtern, die Wundheilung zu unterstützen und Rückfälle sowie die Neuentstehung von Wunden zu vermeiden. Dazu würden den Betroffenen und ihren Angehörigen alltagsorientierte Maßnahmen im Umgang mit der Wunde vermittelt.

 

Der Expertenstandard wird 2008 deutschlandweit erst in 20 Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen modellhaft eingeführt. Es handelt sich dabei um einen vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) wissenschaftlich erarbeiteten Standard. Die DNQP arbeitet mit dem Deutschen Pflegerat zusammen, das Projekt wird finanziell vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt.

 

Risikogruppen für die Entstehung chronischer Wunden sind Diabetiker (diabetisches Fußsyndrom) und Patienten mit Bewegungseinschränkungen, da hier die Gefahr von Druckgeschwüren (Dekubitus) sehr groß ist. Auch das Ulcus cruris venosum, im Volksmund offenes Bein genannt, gehört zum ernsthaften, schwer zu behandelnden Kreis der offenen Wunden.