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Aktuelles

Gemischtes Team an der Kongress-Spitze

16. January 2015

Blicken einem spannenden Kongress entgegen: Prof. Dr. Bettina Rau und ihr Kollege Prof. Dr. Robert Jaster.

Die Unimedizin Rostock richtet in diesem Jahr den von nationalen Experten und internationalen Gästen besuchten 35. Deutschen Pankreasclub in Warnemünde aus. Interessante Vorträge zu aktuellen klinischen Themen sowie eine Menge Grundlagenforschung rund um die Bauchspeicheldrüse erwarten die Teilnehmer. Und eine Besonderheit: Prof. Dr. Bettina Rau steht als Präsidentin an der Spitze – als zweite Frau überhaupt in der 35-jährigen Geschichte der Veranstaltung.

Sie hat sich für ein von Männern dominiertes Medizinfach entschieden. „Eigentlich gibt es in der Chirurgie gar nicht so wenige Frauen. Allerdings findet man sie erst in den hinteren Reihen“, merkt die Professorin an. Als leitende Oberärztin der Abteilung Allgemeine-, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie bildet sie da eine Ausnahme. Natürlich sei die zeitliche Belastung groß und Frauen kümmerten sich nach wie vor dominant um die Familie. Das schrecke viele ab. „Für mich war jedoch seit meiner Kindheit klar, dass ich etwas Medizinisches, Handwerkliches machen wollte. Am Ende des Tages kann ich sehen, was ich geschafft habe. Ein schönes Gefühl.“

Viele Frauen seien hochqualifiziert, scheuten aber oft die Verantwortung und wollten nicht exponiert sein, weder in der Klinik noch auf Kongressen. Rückschläge müsse man natürlich auch einstecken können, sagt die Medizinerin, die neben vier OP-Tagen pro Woche noch die Ausbildung des Nachwuchses, Sprechstunden, organisatorische Aufgaben, Forschung und Doktorandenbetreuung bestreitet. „Zur Kongressvorbereitung komme ich meist auch erst nach Dienstschluss und an den Wochenenden“, sagt die Professorin. Die 60-Stunden-Woche ist keine Seltenheit. Aber sie hat Spaß dabei.

Teil des Kongresses wird ein Workshop sein, der in dieser Form bisher noch nicht angeboten wurde. Zusammen mit Abteilungskollegen wird Prof. Rau chirurgische Anfänger mit der Anatomie vertraut machen und OP-Techniken mit ihnen üben. „Alles mit der Sicherheit, dass der Mensch, der vor einem liegt, nicht verbluten kann. Denn wir nutzen dafür speziell konservierte Körperspender.“

Die Chirurgin ist mit der Planung nicht allein gelassen. Im Zuge der Interdisziplinarität steht Prof. Dr. Robert Jaster aus dem Forschungslabor der Gastroenterologie als Co-Präsident an ihrer Seite. Gemischte Teams seien erfolgreicher, meinen beide. Die Mediziner haben das wissenschaftliche Programm gemeinsam erarbeitet, Größen wie Hans Günther Beger aus Ulm – eine Ikone der Pankreaschirurgie – nach Rostock geholt. „Er war mein erster Chef“, sagt Prof. Rau. Auch Michael Kendrick, führender laparoskopischer Pankreaschirurg aus den USA, und Minoti Apte aus Syndey, Herausgeberin des internationalen Fachblatts zur Pankreatologie, haben ihr Kommen zugesagt. „Wir rechnen mit 150 Gästen. Gut 120 wissenschaftliche Beiträge sind eingereicht, auch von vielen jungen Leuten, die frisch im Beruf sind und denen wir ein sicheres Parkett für ihre ersten akademischen Auftritte bieten möchten“, erzählt Prof. Jaster. Das Führungsteam ergänzt sich hervorragend. „Und keiner von uns beiden versucht, den anderen auszustechen“, stellt Prof. Rau klar. Wie es rein unter Männern der Fall wäre? Sie lacht. „Wahrscheinlich. Männer sind jedoch auch sehr gute Netzwerker. Das ist die letzte Hürde, die Frauen nehmen müssen. Wird eine hohe Position frei, wird unter den Herren viel telefoniert.“ Männer scharten Fürsprecher um sich. Als Frau sei es schwer, da reinzukommen.

Im Rostocker OP hingegen fühlt sie sich wohl. Der Ton sei angenehm und familiär. „Ich habe auch schon in Kliniken gearbeitet, in denen das anders war – dort war ich die einzige Frau unter Männern.“ Aber die Zeit der Macho-Chirurgen sei zum Glück in den meisten deutschen Häusern vorbei.

Bei den großen fachspezifischen Veranstaltungen hat sich die Ärztin über die Jahre einen Namen gemacht. Dort weiß man, dass Prof. Rau eine Frau ist. Anders in weniger etablierten Kreisen: „Ich wurde mitunter am Anmeldeschalter gefragt, wen ich denn begleite oder zu welcher Pharma-Firma ich gehöre.“ Und wenn sie sich als Referentin zu erkennen gab? „Dann amüsierte es mich sehr, in die erstaunten Gesichter zu blicken.“