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Individualisierte Darmkrebs-Therapie schenkt Patienten mehr Lebenszeit

08. April 2020
Clemens Schafmayer

Wissenschaftler der Unimedizin Rostock beteiligen sich an maßgeblicher internationaler Studie

Trotz Früherkennung und intensiver Aufklärung tritt Darmkrebs vor allem in Industrienationen immer häufiger auf. In einer internationalen Studie hat ein interdisziplinäres Forscherteam der Universitätsmedizin Rostock zusammen mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Avera Cancer Institute in Sioux Falls (USA) nun herausgefunden, dass individualisierte Krebstherapien die Lebenszeit der Patienten wesentlich verlängern können. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Patienten mit einem fortgeschrittenen Darmkrebs bei einer auf sie zugeschnittenen Therapie durchschnittlich bis zu 16 Monate länger lebten. Ihre Studie veröffentlichten die Rostocker Wissenschaftler zusammen mit dem Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie und den internationalen Kollegen in der renommierten Fachzeitschrift „Cancers“.

Die Forscher haben in den USA und in Deutschland zwei Patientengruppen über einen längeren Zeitraum begleitet und miteinander verglichen. „Wir haben in den USA eine Patientengruppe mit norddeutscher Herkunft herangezogen, die in ihrer genetischen Ausgangslage den deutschen Erkrankten sehr ähnlich ist“, erklärt Prof. Dr. Clemens Schafmayer, Direktor der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie der Unimedizin Rostock und Spezialist für die Aufklärung genetischer Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs. Während die Patientengruppe in Deutschland konventionell mit der aktuellen Chemotherapie behandelt wurde, erhielten alle amerikanischen Patienten durch ein sogenanntes „Molecular Tumor Board“ – einem interdisziplinären Zusammenschluss aus Ärzten und Fachleuten der Molekularbiologie, Bioinformatik und Genetik - eine spezifisch auf sie zugeschnittene Behandlung. Diese umfasst unter anderem eine Kombination aus multiplen Medikamenten.   

In dieser patientenorientierten Therapie sehen die Experten die Zukunft der Krebsmedizin. „Der Vergleich der voneinander abweichenden durchgeführten Therapien zeigt, welche großen Auswirkungen eine personalisierte Behandlung auf die individuelle Lebenserwartung der Patienten haben kann“, betont Prof. Dr. Christian Junghanß, Direktor der Rostocker Klinik für Hämatologie und Onkologie. Die Arbeit bestätigt auch eine generelle Entwicklung in der Onkologie zur Anwendung einer an die individuellen Mutationen des Tumors angepasste Therapie. „Wir arbeiten jetzt daran, diese Erkenntnisse auf die Behandlung unserer Patienten zu übertragen, die in unserem zertifizierten Darmkrebszentrum behandelt werden“, sagt Dr. Sebastian Hinz, stellvertretender Klinikdirektor der Abteilung für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie. Trotz dieser großen Therapieverbesserung sieht er noch einen großen Bedarf in der Entwicklung neuer Medikamente, die individuelle Tumormutationen angreifen können.