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Kommunikation in ärztlichen Grenzsituationen: Medizinstudenten üben mit Schauspielern schwierige Patientengespräche

15. May 2009

Wie verhält man sich in ärztlichen Grenzsituationen? Wenn Ärzte ihren Patienten oder deren Angehörigen traurige Nachrichten übermitteln müssen, dann ist besonderes Feingefühl der Mediziner gefragt.

In einem Kommunikationsseminar für Medizinstudenten der Universität Rostock werden Verhaltensmuster und der einfühlsame Umgang mit derartigen Situationen geübt. Wichtiger Bestandteil sind dabei praktische Übungen, bei denen Schauspielstudenten der Rostocker Hochschule für Musik und Theater (HMT) die Rolle der Patienten übernehmen.

 

„Das Arztsein stellt hohe Anforderungen“, so Professor Dr. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Rostock. „Der Beruf erfordert besondere kommunikative Fähigkeiten und verlangt die Auseinandersetzung mit tief greifenden ethischen Fragen, vor allem im Umgang mit chronisch kranken und sterbenden Patienten und deren Angehörigen.“ Das Studium der Humanmedizin sei aber vor allem fachlich orientiert und lasse wenig Spielraum für das Erlernen des angemessenen Umgangs mit emotional schwierigen Situationen.

 

Das Verhalten in ärztlichen Grenzsituationen wird in diesem besonderen Seminar theoretisch und praktisch beleuchtet. Ein Rhetorikkurs steht dabei ebenso auf dem Programm wie Erfahrungsberichte von Vertretern verschiedener Selbsthilfegruppen. Den Kern der Veranstaltung aber bildet die Übung bestimmter Situationen mit Studierenden des Fachs Schauspiel der HMT. Die beiden Hochschulen kooperieren bereits sei mehreren Jahren. „Die jungen Schauspieler agieren dabei völlig unterschiedlich und es passiert regelmäßig, dass die Medizinstudenten sich ratlos umdrehen und sagen: Ich weiß nicht mehr weiter“, so Professor Kropp.

 

Genau dies seien die Situationen, die den größten Lerneffekt für alle Beteiligten haben. Voraussetzung sei eine offene Selbstbefragung: Was ist mit mir los? Was lösen solche Situationen in mir aus? Die Gefahr sei groß, dass unerfahrene Mediziner nicht angemessen auf die Situation eingehen können und zum Beispiel übermäßig viel auf den Betroffenen einreden. „Dabei ist es viel wichtiger, Ruhe zu bewahren und dem Patienten oder Angehörigen beizustehen“, so Professor Kropp.

 

Das zweieinhalbtägige Seminar wird an der Universität Rostock als Wahlpflichtfach angeboten und teilweise von den Studierenden selbst organisiert: 15. bis 17. Mai 2009, Kommunikation in ärztlichen Grenzsituationen, Seminarraum im Zentrum für Nervenheilkunde, Verwaltungsgebäude, Gehlsheimer Strtaße 20, 18147 Rostock