header

Aktuelles

Lungenfunktion erhalten: Thoraxchirurgen erlernen in Rostock Operationstechnik

21. October 2014

Dr. Rolf Oerter.

Eine Operationsmethode aus den Anfängen der modernen Thoraxchirurgie wird Ende Oktober an der Universitätsmedizin Rostock neu aufgelegt.

Bei einem Operationskurs lernen Chirurgen aus ganz Deutschland, wie sie eine Anatomische Segmentresektion durchführen. Bei dem Eingriff werden Teile eines Lungenlappens entfernt, die von bösartigen Tumoren im Frühstadium besiedelt sind. Den Rahmen hierfür bieten anatomisch vorgegebene Gewebeschichten, entlang derer sich einzelne Segmente des Lappens trennen lassen. Dadurch muss nicht mehr der gesamte Lungenlappen entfernt werden.

Die Technik war bereits Ende der 1940er Jahre voll entwickelt. „Leider ist sie mit dem Siegeszug der Antibiotika in Vergessenheit geraten“, sagt Dr. Rolf Oerter, Leiter des Bereichs Thoraxchirurgie an der Unimedizin und Veranstalter des Kurses. „Nur etwa zehn Prozent der Chirurgen beherrscht die anspruchsvolle Technik heute noch. Dabei rückt die Teilentfernung von Lungenlappen bei Lungenkrebs im Frühstadium heute mehr und mehr ins Interesse.“

Traditionell wird bei Lungenkrebs-Patienten, ob offen oder minimal-invasiv operiert, der betreffende Lungenlappen komplett entfernt. Gewebebrücken werden zumeist mit „Klamemernahtgeräten“ durchtrennt, berichtet Oerter. „Dabei wird auf die Anatomie der Lunge keine Rücksicht genommen. Das verbleibende Lungengewebe wird gerafft und in seiner Funktion eingeschränkt.“ Mit der neuen alten Methode könne nun viel Lungengewebe erhalten bleiben. „Ein großer Gewinn für die Patienten“, so der Experte. „Nicht nur, dass sie sicher sein können: der Krebs ist erfolgreich und gründlich operiert. Sie kriegen nach der OP auch ausreichend Luft, um ihr Leben zu genießen.“

An der Rostocker Unimedizin wird die Methode seit 2011 angewandt. „Bisher haben wir damit rund 50 Patienten geholfen“, sagt Oerter. „Die Erfahrungen sind so gut, dass wir ein Trainingsprogramm für Thoraxchirurgen entwickelt haben.“ Mit diesem wird die Technik am 30. und 31. Oktober in Zusammenarbeit mit dem Institut für experimentelle Chirurgie der Unimedizin am Tiermodell geschult. „Das betäubte und beatmete Schaf bietet optimale, realitätsnahe Gegebenheiten“, so Orter. Das Training ist einmalig in Deutschland, Europa und, wie Oerter vermutet, „weltweit.“ Eine Fortsetzung ist für Mai und Oktober 2015 geplant - „die Kurse sind schon heute vollkommen ausgebucht.“