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Neue Bioherzklappe hilft alten Patienten ohne OP: Rostock arbeitet als eines von drei Zentren mit modernem Implantat

30. May 2007

Am Universitätsklinikum Rostock wurde mit Erfolg eine neue Bioherzklappe eingepflanzt. Das Implantat besteht aus einem flexiblen Metallgeflecht und einer biologischen Herzklappe.

Es ersetzt beschädigte, verkalkte und verengte Herzklappen. Angewendet wird die Bioklappe vor allem bei alten Patientinnen und Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen, für die eine größere Herzoperation zu gefährlich wäre. Die neue Bioklappe wird ohne Operation mit einem Katheter ins Herz eingebracht. Es handelt sich um eine Neuentwicklung, die bislang nur an drei Zentren in der Bundesrepublik angewendet wird – neben Siegburg und Leipzig jetzt auch in Rostock. Für die Patienten bedeutet der Eingriff, der bereits mehrfach am Uniklinikum Rostock erfolgreich durchgeführt wurde, ein Zugewinn an Lebensqualität, so der Rostocker Kardiologe Professor Dr. Christoph A. Nienaber. „Wir haben es in der Praxis oft mit Patienten zu tun, die zusätzlich zu anderen Erkrankungen auch noch eine verkalkte oder stark verengte Herzklappe haben“, sagt Professor Dr. Christoph A. Nienaber, Leiter der Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum Rostock. Normalerweise wird die beschädigte Herzklappe in einem chirurgischen Eingriff durch eine künstliche neue Klappe ersetzt. Problematisch ist das allerdings bei Patienten, die über 80 Jahre alt und mehrere andere Begleiterkrankungen haben. „Die Belastung eines operativen Eingriffs am offenen Herzen wäre einfach zu groß“, sagt Professor Nienaber. Aus diesem Grund wurde ein Implantat entwickelt, das über eine Herzkathetersonde über die Blutgefäße ins Herz eingebracht werden kann. Eingeführt wird dabei zunächst ein Ballon, der durch Ausdehnung die alte, beschädigte Herzklappe beseitigt und damit Platz schafft für das Implantat. Dieses besteht aus einem flexiblen Metallgeflecht vergleichbar mit einem Stent, in Verbindung mit einer Bioklappe, die einer herkömmlichen künstlichen Herzklappe entspricht. Das neuartige Implantat wird erst an drei Zentren in Deutschland angewendet – in Siegburg, Leipzig und jetzt auch in Rostock. Und das mit Erfolg. „Wir geben den alten Menschen Lebensqualität zurück“, sagt Professor Nienaber. Während die beschädigte Herzklappe etwa die körperliche Belastbarkeit erheblich einschränkte, sind die Patienten nach dem Eingriff wieder belastbar. In naher Zukunft bedeutet die neue Bioklappe vielleicht eine Alternative zu den herkömmlichen Herzklappen, die derzeit bei jüngeren Patienten eingesetzt werden. „Klassische biologische Herzklappen müssen nach zehn bis 15 Jahren ersetzt werden. Die neue perkutane Bioklappe hat den Vorteil, dass sie möglicherweise anstelle einer offenen zweiten Herzoperation eingesetzt werden könnte“, so Professor Nienaber.