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Protein-Blockade stoppt Wanderung von Hautkrebszellen: Rostocker Forscher entdecken Wirkmechanismus bei Bildung von Metastasen

24. February 2010

Ein Protein, das normalerweise das geordnete Zellwachstum steuert, kann auch zur Bildung von Metastasen beitragen. Zu dieser Erkenntnis kamen jetzt Wissenschaftler am Biomedizinischen Forschungszentrum an der Universität Rostock.

„Das Protein E2F1 kontrolliert in der gesunden Zelle das Zellwachstum“, so Professor Dr. Brigitte Pützer, Direktorin des Arbeitsbereichs Vektorologie und Experimentelle Gentherapie. „Es ist seit Längerem bekannt, dass dieses Protein in der Zelle eine wichtige Schutzfunktion gegen die Entwicklung zur Krebszelle ausübt.“ Bei einer Fehlsteuerung des Zellwachstums seien diese Eiweiße daran beteiligt, die entartete Zelle in die „Apoptose“, den programmierten „Selbstmord“, zu führen.

 

Wenn diese Schutzfunktion gestört ist, kann das Protein E2F1 jedoch verheerende Wirkung haben: Es begünstigt das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen. Unklar war bislang, dass das Protein E2F1 auch an der Bildung von Metastasen beteiligt ist. Die Forscher untersuchten die Metastasen von Hautkrebs-Patienten und entdeckten darin hohe Konzentrationen des Proteins. Ein Beleg dafür, dass E2F1 mit für die Ausbreitung der Krebserkrankung im ganzen Organismus verantwortlich ist.

 

Um die Bedeutung des E2F1-Proteins für die Wanderung von Hautkrebszellen zu klären, verwendeten die Wissenschaftler aus Rostock ein neues Versuchsmodell. Dabei wird die Produktion von E2F1 in aggressiv wachsenden Hautkrebszellen durch das sogenannte „Gen-Silencing“ unterdrückt. Die Forscher stellten fest, dass durch die Blockade von E2F1 tatsächlich das Eindringen der Krebszellen in andere Gewebeschichten und die Bildung von Metastasen gehemmt werden kann. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass E2F1 ein weiteres Protein, das Krebszellenwachstum bewirkt, steuert – und dieses ebenfalls durch die Blockade gehemmt wird. Gewonnen wurden diese Erkenntnisse anhand von Tests im Reagenzglas und im lebenden Organismus. Langfristiges Ziel ist es, wirksame Behandlungsmöglichkeiten von Metastasen zu entwickeln, und zwar nicht nur für den Hautkrebs, sondern auch für andere Krebserkrankungen.

 

 

Hintergrund:

In Deutschland sterben jährlich mehr als 200.000 Menschen an Krebs. In den meisten Fällen führen dabei nicht die ursprünglichen Tumore zum Tod, sondern Tochtergeschwülste (Metastasen), die sich im Körper ausbreiten. Das Maligne Melanom der Haut (Hautkrebs) gehört zu den aggressivsten Tumoren, die bereits frühzeitig Metastasen in andere Organe absetzen. Bislang weiß man nur sehr wenig über die molekularen Vorgänge, die eine Hautkrebszelle zur wandernden tödlichen Gefahr werden lassen. Die Rostocker Forscher sind diesen Vorgängen nun ein Stück auf die Spur gekommen.

Das von der Deutschen Krebshilfe mit 334.000 Euro geförderte Forschungsprojekt lässt auf die Entwicklung wirksamer anti-metastatischer Therapien hoffen. Die Ergebnisse wurden in der international angesehenen Fachzeitschrift „Journal of National Cancer Institute“ publiziert.