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Aktuelles

Rostocker Ärzteteam schult Mediziner in komplexem Eingriff

10. February 2020
TIPS

Zusammenarbeit im interdisziplinären Team: Prof. Dr. Georg Lamprecht (v.l.), Dr. Thomas Heller, Prof. Dr. Marc-André Weber und Dr. Sebastian Hinz

Langjährige Erfahrung: Verfahren zur Behandlung von Leberzirrhose an der Unimedizin Rostock

 

Rostock – Eine Leberzirrhose, auch Schrumpfleber genannt, macht sich oft schleichend bemerkbar: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl im Oberbauch und Gewichtsverlust sind nur einige Symptome. Über Jahre kann die Krankheit unentdeckt bleiben. Heilbar ist eine Leberzirrhose nicht, allerdings kann sich die Lebenserwartung ohne Behandlung drastisch verkürzen. Um Menschen mit dieser und anderen chronischen Lebererkrankungen mehr Zeit und mehr Lebensqualität zu geben, gibt es ein therapeutisches Verfahren (TIPS).

Die Universitätsmedizin Rostock ist bundesweit eines der wenigen klinischen Zentren, das jahrzehntelang Erfahrung in diesem Eingriff vorweisen kann. „Mein Vorgänger, Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein, hat diese Technik in Rostock 1995 etabliert und in den vergangenen 25 Jahren haben wir im Institut diese Intervention bei rund 1000 Patienten angewandt“, erklärt Prof. Dr. Marc-André Weber, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie. Radiologen, Chirurgen und Gastroenterologen arbeiten an der Universitätsmedizin in einem interdisziplinären Team zusammen, um die Patienten bestmöglich medizinisch versorgen zu können. Erfahrene Mediziner aus ganz Deutschland kommen nach Rostock, um dieses komplexe Verfahren zu erlernen. Auch den eigenen Nachwuchs schulen die Rostocker Experten in Interventions-Workshops.

„Leberzirrhose wird in den meisten Fällen durch Alkoholkonsum ausgelöst. Aber auch Hepatitis und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder genetische Defekte können Ursache für eine kranke Leber sein“, erklärt Prof. Dr. Georg Lamprecht, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie. Bei der Leberzirrhose ist das Gewebe stark vernarbt, sodass das das Blut nur noch unzureichend über die Pfortader durch die Leber fließen kann. Der Körper sucht sich Umgehungskreisläufe, um das Blut zum Herzen zu transportieren. Dabei besteht die Gefahr einer Bauchwassersucht und es bilden sich Krampfadern in der Speiseröhre und im Magen, die zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können. „Bei der so genannten TIPS wird ein Stent in die Leber gesetzt, der den Druck der Pfortader senkt“, sagt Dr. Thomas Heller, erster Oberarzt in der Radiologie. Das Verfahren komme auch zur Anwendung bei Notfallverlegungen mit dem Hubschrauber, wenn Patienten akut bluten. Im Januar sind bereits fünf Patienten mit diesem speziellen Verfahren versorgt worden.

„Der Bedarf der Patienten ist groß, sie reisen sogar aus anderen Bundesländern an, um sich an der Rostocker Unimedizin behandeln zu lassen“, sagt PD Dr. Sebastian Hinz, stellvertretender Klinikdirektor der Abteilung für Allgemeine, Gefäß-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Seit Januar leitet der Chirurg den Bereich der Leber-, Gallenwegs- und Transplantationschirurgie an der Universitätsmedizin und tritt somit die Nachfolge von Prof. Dr. Tung Yu Tsui an.