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Rostocker Forscher erhält bedeutenden Röntgen-Preis

15. Mai 2018

Therapieentscheidung durch CT-Perfusion vereinfacht / Preis zum ersten Mal nach MV

Für seine Bestrebungen, die Therapiechancen von Schlaganfall-Patienten zu verbessern, wurde Dr. Kolja Thierfelder, Geschäftsführender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Unimedizin Rostock, jetzt mit dem Wilhelm-Conrad-Röntgen-Preis geehrt. Der Preis geht zum ersten Mal nach Mecklenburg-Vorpommern.

Schlaganfälle sind in der westlichen Welt die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit. Damit es nicht so weit kommt, müssen Notärzte und Spezialisten schnell reagieren, um für den Patienten die geeignete Therapie zu finden. Standardmäßig kommt dafür die Computertomographie - kurz CT - zum Einsatz. In seiner Arbeit beschäftigt sich Thierfelder mit der CT-Perfusion - einem Verfahren, bei dem das Gehirn des Patienten etwa eine Minute lang immer wieder mit schwach dosierten Röntgenstrahlen durchleuchtet wird. So wird untersucht, wo und wie stark sich im Laufe der Zeit Kontrastmittel im Gewebe ansammelt. 

„Wir können mit der CT-Perfusion inzwischen das gesamte Gehirn abbilden und so unmittelbar einen Hirninfarkt nachweisen“, sagt Thierfelder. „Mit einer normalen CT ist das erst drei bis sechs Stunden nach den ersten Symptomen möglich.“ Ärzte könnten dadurch schneller und besser einschätzen, welche weiterführende Therapie für den Patienten in Frage komme - „nicht für jeden Betroffenen ist eine Thrombolyse geeignet, also eine medikamentöse Behandlung, um den Gefäßverschluss aufzulösen“, so der Rostocker Radiologe. Als Alternative dazu kann seit einigen Jahren ein Katheter über die Leiste eingeführt werden, um das Gerinnsel direkt im Gehirn zu beseitigen. „Da beide Verfahren Risiken bergen, muss die Entscheidung individuell erfolgen. Mit unseren Ergebnissen können wir diese Auswahl jetzt noch besser unterstützen.“

In seiner Arbeitsgruppe hat Thierfelder eine Methode entwickelt, mit der sich die riesigen Datenmengen in kurzer Zeit auswerten lassen, die durch die CT-Perfusion entstehen. „Wir können unter anderem sehr kleine Gefäßverschlüsse nachweisen“, sagt er. „Das ist nur durch die CT-Perfusion möglich und ein klarer Anhaltspunkt dafür, dass eine Thrombolyse sinnvoll ist.“

Mit dem Preis ehrt die Deutsche Röntgengesellschaft seit 1979 jährlich eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit, die dem Fortschritt der Radiologie dient. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.