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Unimedizin Rostock: eine der spendenstärksten Kliniken

03. January 2020
Wieder Sehen dank Gewebespende: Patientin in der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock

Wieder Sehen dank Gewebespende: Patientin in der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock

88 Menschen spendeten in der Universitätsmedizin Rostock ihr Gewebe

2.753 Gewebespenden konnte die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) im Jahr 2019 in Deutschland realisieren. Damit konnte die DGFG erstmalig 5.740 Patientinnen und Patienten zeitnah und sicher mit einem Gewebetransplantat versorgen. Eine der spendenstärksten Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern ist die Universitätsmedizin Rostock (UMR): Hier spendeten im vergangenen Jahr allein 88 Menschen ihr Gewebe.

Jeder zweite Patient erhält ein Hornhauttransplantat von der DGFG
2.621 Menschen spendeten 2019 nach ihrem Tod ihre Augenhornhaut. Die DGFG konnte dadurch 3.605 Patienten mit einem Hornhauttransplantat versorgen. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000 Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. „Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG.

Spendenstarke UMR
Auch in der UMR konnte die DGFG zum Großteil Augenhornhautspenden realisieren: 176 der 180 gespendeten Gewebe waren Augenhornhäute. Trübt sich die Augenhornhaut wegen einer Erkrankung oder Verletzung, kann eine Augenhornhauttransplantation Patienten vor der Erblindung bewahren. Doch Hornhauttransplantate sind nur begrenzt verfügbar: Hinter jedem Transplantat steht ein verstorbener Mensch, der sich zu Lebzeiten für die Gewebespende nach dem Tod entschieden hat. Oft treffen auch die Angehörigen die Entscheidung. Zusammen mit der Unimedizin Rostock macht die DGFG mit einer Fotografieausstellung auf die Möglichkeiten der Hornhauttransplantation aufmerksam. Mithilfe von Spendengeldern konnte die DGFG 2019 eine Fotowanderausstellung initiieren, die mittlerweile in allen fünf Gesellschafterkliniken der DGFG zu sehen ist, so auch in der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock. Die Motive der Reportage zeigen, wo das Spendergewebe herkommt, wie es aufbereitet und gelagert wird und welche Schritte außerdem bis zur erfolgreichen Transplantation notwendig sind.

„Die Universitätsmedizin Rostock ist seit 2015 Gesellschafter der DGFG und dadurch aktiv beteiligt am größten Netzwerk der Gewebemedizin in Deutschland. Dieses Engagement für die Weiterentwicklung der Gewebespende ist uns ein großes Anliegen“, sagt Harald Jeguschke, Kaufmännischer Vorstand der Rostocker Unimedizin. „Als größte medizinische Einrichtung des Landes ist es unser Ziel, alle Patienten zeitnah mit einem Transplantat zu versorgen“, ergänzt Prof. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand.

2019 – ein starkes Jahr für die Gewebespende
Erneut konnte die DGFG mehr Gewebespenden realisieren: 2019 spendeten insgesamt 2.753 Menschen ihr Gewebe. 2018 waren es 2.732 Menschen. Insgesamt gingen 39.132 Meldungen potenzieller Spender aus den Kliniken im Netzwerk bei der DGFG ein. Nach deren Prüfung auf medizinische Kontraindikationen führten die Koordinatoren 7.565 Gespräche, um über die Möglichkeit der Gewebespende aufzuklären. 2.997-mal wurde einer Gewebespende zugestimmt. Die durchschnittliche Zustimmungsquote zur Gewebespende lag damit bei 40 Prozent: Gewebespende wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen. Treibende Kraft für diese Entwicklung sind die Gewebespende-Koordinatoren in den Krankenhäusern. Von inzwischen 31 Standorten aus realisieren 49 Koordinatoren die Gewebespende an über 100 Krankenhäusern deutschlandweit. Im offenen Netzwerk der DGFG kooperieren zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde. 2019 kam unter anderem das Helios Hanseklinikum Stralsund als neuer DGFG-Standort hinzu. 13 Gewebebanken im Netzwerk ermöglichen eine bestmögliche Versorgung von Patienten in ganz Deutschland.

Spende von Herzklappen und Blutgefäßen: Neues Spendeprogramm zeigt Erfolge
2019 konnte die DGFG 31 Spenden kardiovaskulärer Gewebe bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen durchführen – mehr als dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Bei dieser Spende entnehmen die Koordinatoren zusammen mit einem Arzt das Herz mitsamt der Herzklappen oder auch die großen Blutgefäße. Insgesamt konnte die DGFG 2019 166 Herzklappen und 111 Gefäße zur Transplantation vermitteln. Der Bedarf dieser Gewebe in der Transplantationsmedizin ist nach wie vor sehr hoch. Herzklappen und Blutgefäße stammten bisher aus der Organspende. Die DGFG hat daher 2017 ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-Verstorbenen initiiert. Denn auch bei der Spende dieser Gewebe spielt der Hirntod keine Rolle. Herzklappen und Gefäße können noch bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt entnommen werden.

Fast jeder Verstorbene kann Gewebe spenden
Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran. Der Anteil an Organspendern, die Gewebespender sind, ist insgesamt sehr gering. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle: 2.386 Gewebespender und damit knapp 90 Prozent sind an einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben.

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.