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Aktuelles

Versorgung mit Gewebetransplantaten an der Unimedizin Rostock gesichert

03. June 2020
Foto: DGFG

Hornhauttransplantation nach der Prozessierung, Foto: DGFG

Notfälle gut versorgt / aufgeschobene Transplantationen werden nachgeholt

Die Covid-19-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Gewebespende und -transplantation. Die Notfallversorgung mit Transplantaten konnte die bewährte Netzwerkstruktur der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) während der Pandemie-Eindämmung aufrechterhalten. Dass planbare Operationen verschoben wurden, stellte die DGFG und die Kliniken vor große Herausforderungen: Während im März das Transplantationsgeschehen nahezu normal verlief, folgte im April ein deutlicher Einbruch im Bereich der Gewebetransplantationen am Auge um fast 50 Prozent.

In den vergangenen Wochen hat die Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Unimedizin Rostock trotz eines eingeschränkten Klinikbetriebs alle Notfallpatienten mit Gewebetransplantaten versorgt. Jetzt arbeiten die Mediziner mit Hochdruck daran, die verschobenen Operationen - wie auch Hornhauttransplantationen - nachzuholen. „Unsere Patienten vertrauen uns und haben Verständnis. Außerdem wird bei uns jeder voll- und teilstationäre Patient bei seiner Aufnahme auf Covid-19 getestet, so dass eine sehr hohe Sicherheit besteht. Die Zusammenarbeit bei uns im Team und auch mit der DGFG funktioniert hervorragend – auch in unsicheren Zeiten“, sagt Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchsluger, Direktor der Rostocker Augenklinik. „Wir stellen uns darauf ein, die Versorgung mit Gewebetransplantaten in den kommenden Wochen wieder hochzufahren. Statt des sonst typischen Sommerlochs werden mehr Transplantationen in der Jahresmitte stattfinden“, zeigt sich DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel zuversichtlich. Zudem bliebe das Infektionsgeschehen im kommenden Herbst und Winter ungewiss und damit auch die Auswirkungen auf planbare Operationen.

Die kurzfristige Absage von Hornhauttransplantationen im April war insbesondere deswegen planerisch, wirtschaftlich und ethisch herausfordernd, weil die Transplantate nur 34 Tage gelagert werden können. Für die Vermittlungsstelle und Koordinatoren sowie Ärzte, Gewebebanken und Spendestandorte und –kliniken ist es ein Spagat, auf die reduzierten Transplantationszahlen zu reagieren und gleichzeitig die Notfallversorgung sicherzustellen. Nun müssen die Spenden wieder an den steigenden Transplantationsbedarf angepasst werden. Auch hier kommt das Netzwerk von 31 DGFG-Standorten und über 100 Spendekrankenhäusern zum Tragen: Wenn wegen eines Covid-Ausbruchs an einem Standort Spenden nicht möglich sind, übernehmen das andere Standorte.

Sicherheit von Geweben
Bei der Beurteilung der Gewebesicherheit folgt die DGFG den Leitlinien und Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Demzufolge sei eine Übertragung von Viren durch Implantation, Transplantation, Infusion oder Transfer von menschlichen Zellen oder Gewebe bisher nicht beschrieben. Potenzielle Gewebespender werden sorgfältig gescreent und abgefragt, ob sie sich in Covid-19-Risikogebieten aufgehalten oder Kontakt mit Covid-19-Infizierten oder Verdächtigen hatten. Im Zweifelsfall werden die Spender vorsorglich ausgeschlossen.

Über die DGFG
Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Das Netzwerk vermittelt seine Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.