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Verstärkung für die Gehirn-Feuerwehr: Rostocker Forscher schleusen erstmals Gene gezielt in Nervenstammzellen

27. August 2007

Ein wesentlicher Schritt für die Behandlung von schweren Nervenleiden ist getan: Rostocker Forschern gelang es jetzt erstmals, Gene gezielt in Stammzellen des erwachsenen Gehirns einzuschleusen, so dass diese Multifunktionszellen , direkt in ihrer natürlichen Umgebung für die Reparatur beschädigter Bereiche des Gehirns eingesetzt werden können.

Als Transportmittel in die körpereigenen Stammzellen werden Schnupfenerreger genutzt, die mit kleinen Eiweißbausteinen beladen sind, die das gezielte Eindringen in die Stammzellen ermöglichen. Zukünftig sollen sie heilende Gene im Gepäck haben, mit Hilfe derer die Stammzellen als universelle Reparaturzellen gezielt für die Heilung von beschädigten Bereichen zum Beispiel im Gehirn eingesetzt werden können. Ziel ist es, langfristig Therapien für bislang unheilbare Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Alzheimer oder Parkinson zu entwickeln. Diese Form des Gentransfers wurde im Rahmen eines durch das Bundesforschungsministerium und die Medizinische Fakultät der Universität Rostock geförderten Projekts durch die Leiterin des Forschungsbereichs Vektorologie und Experimentelle Gentherapie am Universitätsklinikum Rostock, Professor Dr. Brigitte Pützer entwickelt. Intelligente Viren, die körpereigene Zellen gezielt aufsuchen und mit heilenden Genen bestücken, wurden von den Rostocker Forschern bisher schon für bösartige Tumoren entwickelt. Diese Technologie wurde nun weltweit erstmalig auf erwachsene (adulte) Stammzellen des Nervensystems übertragen. Die Stammzellen können anschließend für die Behandlung schwerster Nervenleiden eingesetzt werden. Was unglaublich klingt, ist am Universitätsklinikum Rostock experimentelle Wirklichkeit. „Es ist uns gelungen, Adenoviren, die normalerweise Schnupfen auslösen, mit hoher Präzision in Stammzellen des adulten Nervensystems einzuschleusen“, erklärt Professor Pützer. Adenoviren gelten als sicheres Transportmittel und werden in der Gentherapie häufig eingesetzt. Sie dringen ohne Probleme in zahlreiche Körperzellen ein und können, ausgestattet mit heilenden Genen, für die Behandlung von Erkrankungen verwendet werden. Dies geschieht, indem sie Gene transportieren, die bestimmte Heilungsprozesse im Körper steuern können. In diesem Fall werden körpereigene Stammzellen des Nervensystems mit genetischen Informationen ausgestattet, die sie bei der Reparatur von Beschädigungen im Gehirn wirksam werden lassen. Stammzellen sind als Multifunktionszellen im Nervensystem und im ganzen Körper unterwegs, um gewissermaßen als „Feuerwehr“ dort zum Einsatz zu kommen, wo beschädigte Zellen repariert werden müssen. „Zuvor mussten allerdings die Schnupfenviren so verändert werden, dass sie gezielt in die Stammzellen eindringen konnten“, sagt Dr. Anke Schmidt vom Arbeitsbereich Vektorologie. Denn darin bestand die Schwierigkeit: Die Adenoviren samt ihrem Gengepäck dürfen nicht in andere Zellen des Nervensystems aufgenommen werden. Nachdem diese Barriere nun erfolgreich überwunden werden konnte, besteht die Möglichkeit der weiteren Entwicklung des Verfahrens bis zur Behandlung schwerer Erkrankungen des Menschen wie Multiple Sklerose, Parkinson und Alzheimer. Allerdings werde diese Anwendung noch ein wenig auf sich warten lassen, so die Wissenschaftler, denn das Experiment gelang zunächst nur im Tierversuch.