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Weniger Corona-Tote durch Absage von Großveranstaltungen

29. April 2020
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Studie der Unimedizin Rostock bringt Gewissheit / Forscher entwickeln Modell zur Vorhersage von Sterbefällen

Wie viele Todesfälle sind nach einem Ausbruch von Covid-19 zu erwarten? Mit dieser Frage hat sich ein Forscherteam der Universitätsmedizin Rostock beschäftigt. In einer Studie entwickelten die Rostocker Spezialisten gemeinsam mit internationalen Kollegen ein Modell, um Todesfälle im Zusammenhang mit Corona vorherzusagen.  

Dafür haben sich die Wissenschaftler intensiv mit den täglichen Zahlen der Infizierten in Italien und China beschäftigt und daraus die zu erwartenden Todesfälle abgeleitet. „Für unsere Untersuchung spielte weniger die Bevölkerungsdichte der betroffenen Region eine Rolle, sondern besonders der Zeitraum, nach dem die höchste Zahl an täglich Verstorbenen zu verzeichnen war“, sagt Mitautor Prof. Dr. Christian Virchow, Leiter der Abteilung Pneumologie an der Rostocker Unimedizin. In den Regionen, wo dieser Höhepunkt früh erreicht war, seien bisher auch insgesamt mehr Menschen an dem Virus gestorben. „Daraus schließen wir, dass Großveranstaltungen, bei denen Menschen zu Beginn des Ausbruchs engen Kontakt zueinander haben, die Verbreitung des Virus und damit einen schnellen Anstieg der Todesrate fördern.“ So habe beispielsweise ein Fußballspiel in der Lombardei die Verbreitung des Virus befeuert, in Madrid eine Demo zum Weltfrauentag. In Deutschland hingegen wurden derartige Ereignisse schon frühzeitig abgesagt, was die im Ländervergleich eher geringe Sterblichkeit erklären würde.

17 Tage der Epidemie reichten den Forschern aus, um daraus eine Modellvorhersage zu treffen. Auf dieser Grundlage hat das Team die Todesraten für Italien, Deutschland, Spanien und New York abgeleitet - für Deutschland werden demnach zwischen 6.000 und 10.000 Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 vorausgesagt. „Unsere Ergebnisse sollen letztlich dabei helfen, einen Ausbruch aufzuhalten und die Todesrate möglichst gering zu halten“, so Virchow. „Da unsere Vorhersagen die bisher genauesten sind, gehe ich davon aus, dass unser Modell bei weiteren Quarantänemaßnahmen berücksichtigt wird.“

Die Studie wurden im medizinischen Fachjournal Allergy veröffentlicht und in der renommierten italienischen Tageszeitung Corriere della sera zitiert, wo sie für großes Aufsehen sorgte.