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Zeckenimpfung ohne Gefahr für Patienten

25. May 2020
FSME-Impfung bei MS-Erkrankung

Schubrate nach einem Jahr sogar reduziert

Bei der bisher unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose (MS) greift das eigene Immunsystem das zentrale Nervensystem an und verursacht Symptome, die von Patient zu Patient stark variieren. „Sie können von Sehstörungen und motorischen Ausfällen bis hin zu neuropsychologischen Defiziten reichen und äußern sich meist in Schüben. MS wird deshalb auch Krankheit mit den tausend Gesichtern genannt“, so Prof. Uwe Zettl, Leiter der Spezialambulanz für MS an der Universitätsmedizin Rostock.

Insbesondere bei Erkrankungen wie auch MS, die mit einer Fehlsteuerung des Immunsystems einhergehen, besteht im klinischen Alltag Unsicherheit, ob eine Impfung - und insbesondere die FSME-Impfung - den Krankheitsverlauf beeinflussen kann. Ein Team aus Forschern der Rostocker Universitätsmedizin hat jetzt herausgefunden, dass die routinemäßig indizierte FSME-Impfung keinen ungünstigen Einfluss auf die MS ausübt sowie sicher und gut verträglich ist.

Die Impfung bietet einen Schutz gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FMSE), eine Hirnhautentzündung, die durch Viren verursacht und durch Zeckenstiche übertragen wird. Bisher war unbekannt, ob die Impfung für MS-Patienten zu empfehlen ist, da Unsicherheit besteht, ob Impfungen neue Schübe auslösen können. Um das zu überprüfen, untersuchten die Rostocker Wissenschaftler in der Studie MS-Betroffene über einen Zeitraum von einem Jahr nach der Impfung. „Die Patienten hatten nach der Impfung sogar weniger Schübe als in den zwei Jahren vor der Impfung. Das wurde auch bei anderen Impfungen beobachtet, möglicherweise stimuliert die Impfung das Immunsystem positiv“, kommentiert Prof. Dr. Emil Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin. Unabhängig von den eingesetzten MS-Therapien konnten die Patienten trotzdem durch die Impfung vor FSME geschützt werden. „In weiteren Schritten sollen auch die Effekte weiterer Impfungen auf die Krankheitsaktivität der MS untersucht werden“, erläutert PD Dr. Micha Löbermann.

MS tritt meist erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Bis heute ist nicht geklärt, was die Fehlregulation des Immunsystems bei der Erkrankung auslöst. An der Rostocker Universitätsmedizin gibt es seit über 20 Jahren eine Spezialambulanz für Betroffene, in der jährlich mehr als 2.000 Patienten betreut werden. Sie gilt als größte in Norddeutschland und zählt zu den bedeutendsten im gesamten Bundesgebiet.