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Zwischen Blutabnahme und Befund: Ein Blick ins Zentrallabor

21. April 2016

Anna Regenbrecht (25) überprüft das Blutbild eines Patienten auf Veränderungen.

Welttag des Labors am 24. April: Mitarbeiter der Unimedizin prüfen täglich hunderte Proben / Immer häufiger Test auf Demenz

Mit einem Ploppen startet die Arbeit im Zentrallabor: Per Rohrpost landet in der Annahmestelle ein kleines Röhrchen, das die Probe eines Patienten - Blut, Urin oder anderes organisches Material - enthält. Eine Mitarbeiterin nimmt die Sendung in Empfang und schickt sie auf den weiteren Weg. Und das bis zu 1000 mal am Tag. „Wir vom Zentrallabor der Rostocker Universitätsmedizin sind für die klinisch-chemische Labordiagnostik in verschiedenen Bereichen des Hauses zuständig“, sagt Qualitätsbeauftragte Katharina Gottschall. „Knapp 40 Mitarbeiter sind im Einsatz, um Proben zu analysieren und Befunde zu erstellen - manchmal innerhalb weniger Minuten.“

Die meisten Proben, die per Rohrpost oder durch einen Boten im Zentrallabor in der Schillingallee landen, stammen von den Stationen, Ambulanzen und Medizinischen Versorgungszentren der Unimedizin. Auch niedergelassene Ärzte nutzen den Dienst. Ab dem Eintreffen der Probe läuft alles elektronisch: Ein Automat scannt einen Barcode, der in Kürze alle wichtigen Informationen preisgibt. Neben Name, Alter und Station des Patienten verrät er, auf was die Probe untersucht werden soll. Der Automat sortiert die Röhrchen nach ihrem Bestimmungsort, damit ein Mitarbeiter sie problemlos weiterverarbeiten kann. 

Proben für die Hämatologie landen im Labor rechts von der Verteil-Station. Computer analysieren dort, ob im Blutbild auffällige Werte vorliegen. Wenn ja, prüft eine medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA) nach und bewertet die Veränderungen. Wie Anna Regenbrecht, die seit sechs Jahren im Labor arbeitet und gerade eine Probe unter dem Mikroskop untersucht. „Wir benötigen viel Spezialwissen, um zu erkennen, ob sich Zellen wegen einer Erkrankung verändert haben oder entartet sind und somit ein Anzeichen für eine Leukämie sein könnten“, sagt sie. 

Im Labor gegenüber beweist MTLA Ilka Häfke in der Allergie- und Autoimmundiagnostik Fingerfertigkeit: „Die Analytik läuft hier zum Großteil nicht automatisiert“, sagt sie. „Das Untersuchungsmaterial pipettieren wir per Hand in kleinsten Mengen.“ 40 bis 60 Proben präpariert Ilka Häfke am Tag, "eine zeitaufwendige und anspruchsvolle Arbeit". Zunehmend prüft sie Proben auch auf Demenzmarker - Merkmale, die signalisieren, ob eine Demenzerkrankung vorliegt. „Auf diesem Gebiet wird immer stärker geforscht wird. Vor fünf Jahren haben wir einmal im Monat eine Probe auf Demenz getestet. Mittlerweile kommt das bis zu achtmal die Woche vor.“

Diese Untersuchungen dauern teilweise mehrere Tage. Manchmal muss es aber schneller gehen: „Etwa die Hälfte aller Proben sind Eilanforderungen“, sagt Dr. Christine Burstein, kommissarische Laborleiterin. „Das bedeutet, dass der Befund rasch benötigt wird und die Analyse maximal eine Stunde dauern darf.“ Wichtig ist das in der Notaufnahme oder auf den Intensivstationen, auf denen Patienten mehrmals am Tag Blut abgenommen wird, um Veränderungen früh zu erkennen. Proben aus dem Schockraum, in dem es oft um Leben oder Tod geht, müssen in weniger als 30 Minuten analysiert werden. „Eine gute Zusammenarbeit mit unseren Ärzten und dem Pflegepersonal ist dabei sehr wichtig“, so Dr. Burstein. „Für Führungen durch unser Labor stehen wir gern bereit.“