Rostock – Die Universitätsmedizin Rostock erhält von der Deutschen Krebshilfe rund 420.000 Euro, um ein Projekt zur kombinierten Anwendung von kaltem Atmosphärendruckplasma (CAP) und ionisierender Strahlung (IR) voranzubringen. Die Förderung über drei Jahre ermöglicht in beiden beteiligten Einrichtungen die Finanzierung je einer Doktorandenstelle sowie wichtiger Sachmittel. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Kombination aus Plasma und Strahlung Tumorzellen empfindlicher machen kann und sich dadurch langfristig schonendere Behandlungen entwickeln lassen. CAP erzeugt hochreaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die Zellen beeinflussen können – ähnlich wie es auch bei der Strahlentherapie der Fall ist. Tumorzellen reagieren darauf besonders sensibel, während gesunde Zellen diese Belastung oft besser ausgleichen können. Daraus ergibt sich ein vielversprechender Ansatz, den die Rostocker Projektgruppe nun genauer untersucht.
PD Dr. Katrin Manda, Leiterin des strahlenbiologischen Labors der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, betont, dass in der Radiochemotherapie bereits Wirkstoffe eingesetzt werden, die zusätzliche reaktive Sauerstoffverbindungen erzeugen. Sie erklärt, das Projektteam gehe der Frage nach, ob CAP die Wirkung der Strahlung verstärken könne. PD Dr. Manda sagt: „Wenn es gelingt, die notwendige Strahlendosis zu reduzieren, könnten Nebenwirkungen für Patientinnen und Patienten deutlich verringert werden.“ Aus ihrer Sicht könnte die Kombination beider Verfahren neue Möglichkeiten für eine wirkungsvollere und zugleich verträglichere Behandlung eröffnen.
Auch Dr. Henrike Rebl, Leiterin der Arbeitsgruppe Biophysikalische Zellstimulation am Institut für Zellbiologie, sieht großes Potenzial in der Zusammenarbeit. Sie hebt hervor, dass erstmals Tumor- und Normalzellen unter exakt denselben Bedingungen untersucht werden. Dr. Rebl erläutert, dass verschiedene zeitliche Abfolgen und Dosierungen von CAP und IR getestet werden, um die wirksamste Reihenfolge zu identifizieren. „Wir möchten verstehen, wie beide Methoden zusammen auf den Stoffwechsel der Zellen wirken und ob sich dadurch zusätzliche oder sogar verstärkte Effekte ergeben“, beschreibt sie das Ziel der Untersuchungen. Geplant sind zudem Analysen zur Bildung reaktiver Sauerstoffmoleküle, zum Überleben einzelner Zellkolonien sowie zum Wanderungs- und Invasionsverhalten der Zellen.
Als Modell dienen menschliche Epithelzellen, darunter gut erforschte Brustzellen, die daher besonders geeignet sind. Die Projektgruppe möchte herausfinden, wie sich Tumor- und Normalzellen im direkten Vergleich unter der kombinierten Behandlung verhalten und welche biologischen Prozesse dabei eine Rolle spielen. Da etwa die Hälfte aller Tumorpatientinnen und Tumorpatienten im Laufe ihrer Erkrankung eine Strahlentherapie benötigt, messen die Beteiligten dem möglichen Nutzen einer solchen kombinierten Behandlung große Bedeutung bei. Langfristig sollen Erkenntnisse gewonnen werden, die den Weg für neue, wirksamere und zugleich schonendere Therapieansätze in der Onkologie ebnen.













