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Mit Mikrosonden gegen Parkinson: Seit zehn Jahren wird in MV die Tiefe Hirnstimulation angewendet

16. October 2008

Sie gehört zu den wirkungsvollsten Behandlungen des Parkinson-Syndroms: die Tiefe Hirnstimulation, bei der den Betroffenen mikroskopisch kleine Sonden in tief gelegene Regionen des Gehirns eingesetzt werden.

Von dort aus unterdrücken sie quälende Muskelzuckungen und Verkrampfungen. Seit zehn Jahren wird die Tiefe Hirnstimulation am Uniklinikum Rostock in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Greifswald angewendet. Bereits rund 100 Patienten wurden operiert. Aus diesem Anlass veranstalten die Rostocker Mediziner am 18. Oktober 2008 ein Symposium.

 

„Mit der Tiefen Hirnstimulation kann Parkinson-Patienten, die durch ihre Erkrankung sonst schwer behindert wären, hervorragend geholfen werden “, so Professor Dr. Reiner Benecke, Direktor der Klinik für Neurologie des Uniklinikums Rostock und Experte für Bewegungsstörungen wie Parkinson. „Die Operation, bei der der Patient wegen notwendiger Reaktionstests wach sein muss, erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrungen“, sagt Dr. Jan-Uwe Müller, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Uniklinikum Greifswald. Die beiden Gehirnsonden werden im Brustbereich mit einem Schrittmacher verbunden, der vom Arzt je nach Erfordernis programmiert wird.

 

Von der häufig auftretenden Parkinson-Krankheit sind allein in Mecklenburg-Vorpommern mindestens 5.000 Menschen betroffen, wobei Fachleute von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgehen. Im Krankheitsverlauf sterben mehr und mehr Nervenzellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Es kommt zur Verlangsamung motorischer Abläufe, zu Muskelsteifigkeit und oft zu unwillkürlichem Muskelzittern. Aus diesem Grund heißt diese Erkrankung im Volksmund auch „Schüttellähmung“. Meist beginnt die Erkrankung mit ersten Beschwerden zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Mit entsprechenden Medikamenten kann die Erkrankung viele Jahre gut behandelt werden. Bei vielen Patienten lässt die Wirksamkeit der Medikamente aber mit der Zeit nach.

 

Auch Patienten mit anderen Bewegungsstörungen konnte mit der Tiefen Hirnstimulation bereits geholfen werden. Dystonien sind chronisch fortschreitende Erkrankungen, bei denen es zu unwillkürlichen Muskelverkrampfungen kommt, von denen auch junge Menschen und Kinder betroffen sein können. Die Beschwerden können sich auf den ganzen Körper ausdehnen und zu schwersten Behinderungen führen, die ein normales Leben unmöglich machen. In Rostock werden Dystonie-Patienten aus Mecklenburg-Vorpommern und aus ganz Deutschland behandelt. „Mit regelmäßigen Spritzen von Botulinumtoxin kann einem Teil der Dystonie-Patienten gut geholfen werden“, sagt Professor Reiner Benecke. Doch die Dosis der Injektionen sei begrenzt, die Gefahr starker Nebenwirkungen groß.

 

Die Kooperationspartner der Universitäten in Rostock und Greifswald gehören durch ihre Arbeit auf dem Gebiet der Tiefen Hirnstimulation auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten weltweit zu den führenden Zentren. Die dauerhafte Weiterbetreuung der Patienten mit Tiefer Hirnstimulation nach der Operation erfolgt in einer Spezialambulanz der Neurologischen Universitätsklinik in Rostock. Diese Ambulanz wird von Professor Reiner Benecke und den Oberärzten Dr. Alexander Wolters und Dr. Matthias Wittstock geleitet.

 

 

Symposium: 18.10.2008, 9.00 Uhr, Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock, Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock. Eingeladen sind die mit der Tiefen Hirnstimulation versorgten Patienten und ihre Angehörigen sowie Interessierte aus Gesundheitsberufen (Anmeldung telefonisch unter 0381 494-9517).

 

Für Interessierte aus der Bevölkerung ist die Tiefe Hirnstimulation auch Thema auf der Gesundheitsmesse VitaAktiMed.

Vortrag: Freitag, 24.10.2008, 12.00 Uhr, VitaAktiMed, HanseMesse, Rostock Schmarl