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OP-Simulator gibt Medizinern Sicherheit

30. September 2016

Studentin Maxi Müller versucht sich zum ersten Mal am OP-Trainer. Dr. Mark Philipp assistiert und gibt Tipps.

Studenten und Routiniers trainieren ihre Fingerfertigkeit für Schlüsselloch-Chirurgie

Im Trainingszentrum wird es knifflig für Medizinstudentin Maxi Müller. Zwei Zangen bilden die Verlängerung ihrer Arme und reagieren auf die Bewegungen ihrer Daumen und Mittelfinger. Beide Hände übernehmen dabei völlig unterschiedliche Aufgaben. Und nun soll sie mit diesen Werkzeugen einen dünnen Faden durch einen hügeligen Parcours bewegen. Auf Zeit. Und praktisch blind – die einzige Sicht auf die Strecke erlaubt eine kleine Kamera, die Bilder des Parcours auf einen Monitor wirft. Gar nicht so einfach. Doch diese Technik ist das tägliche Handwerk von Chirurgen, die Patienten minimal-invasiv, also über kleine Schnitte im Körper, operieren.

„Damit angehende Mediziner am echten Patienten sicher sind, bieten wir ein freiwilliges Trainingszentrum an“, sagt Dr. Mark Philipp, Leiter des Arbeitsbereichs Minimal-invasive Chirurgie an der Unimedizin Rostock. „Hier können sie die Geräte, die ihnen später im OP begegnen, schon einmal in die Hand nehmen und ausprobieren. In der täglichen Arbeit hantieren wir oft mit teuren Einmal-Instrumenten. Damit sollte man sich also bestens auskennen.“ Schmuckstück im chirurgischen „Skills Lab“, einer Art Lernstudio, ist der Pelvi-Trainer: ein halbrunder Hohlkörper, der einen Bauchraum simuliert und in dem über kleine Öffnungen Handgriffe geübt werden können. „Man lernt, Nähte anzufertigen, Netze im Körper zu platzieren oder feilt einfach an seiner Technik. Der Simulator ist schließlich nicht nur für Anfänger gedacht, sondern auch für die erfahreneren Kollegen.“

Spannend wird es, wenn die Mediziner den Parcours bewältigen sollen. „Sie führen den Faden durch kleine Ösen im Bauchraum, unter dem Leberlappen hindurch, und wir stoppen die Zeit“, so Philipp. „Nach mehreren Durchgängen wird deutlich: Je mehr man übt, desto schneller und sicherer wird man. Von den kleinen sportlichen Übungen profitieren am Ende unsere Patienten.“

Maxi Müller trainiert an diesem Tag zum ersten Mal am Simulator. Ihre Konzentration könnte nicht größer sein. Die 26-Jährige hat ihr Medizinstudium in München gestartet und ist fürs Praktische Jahr nach Rostock gekommen. „Ich war schon öfter bei Eingriffen im OP dabei“, sagt sie. „Aber als Student steht man nur daneben und hat kein wirkliches Gefühl für das, was passiert. Es macht Spaß, sich endlich mal selbst ausprobieren zu können.“ Der Faden flutscht durchs erste Loch. Sie jubelt. Und lockert Daumen und Mittelfinger für die nächste Herausforderung.