Rostock – Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Anna Lene Seidler von der Universitätsmedizin Rostock hat am gestrigen Montag, dem 23. März 2026, in Berlin auf der Gala der Deutschen Wissenschaft die Auszeichnung als Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres 2025 von academics, dem Zeitverlag und dem Deutschen Hochschulverband erhalten. Mit der Auszeichnung wird ihre international vernetzte Forschung zur evidenzbasierten Kinder- und Jugendgesundheit gewürdigt. Prof. Seidler bündelt weltweit Studiendaten, um belastbare wissenschaftliche Grundlagen für Präventions- und Versorgungsmaßnahmen zu schaffen und gesundheitliche Ungleichheiten im Kindes- und Jugendalter zu verringern.
Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, hebt die gesellschaftliche Bedeutung dieser Forschung hervor. „Wir können in Mecklenburg-Vorpommern sehr stolz auf den Forschungserfolg im Bereich der evidenzbasierten Kinder- und Jugendgesundheit an unseren Universitätsmedizinen sein.
Die Auszeichnung an Professorin Seidler zeigt eindrucksvoll, welche internationale Strahlkraft dieser Forschungsbereich entwickelt. Ich gratuliere ihr herzlich. Ihre Arbeit verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit einem klaren gesellschaftlichen Ziel. Sie entwickelt evidenzbasierte Grundlagen, damit Kinder unabhängig von Herkunft oder Lebensumständen bessere Gesundheitschancen erhalten. Diese Forschungsergebnisse tragen dazu bei, unsere Gesellschaft ein Stück gerechter zu machen.“
An der Universitätsmedizin Rostock leitet Prof. Seidler den Lehrstuhl für Gesundheitliche Ungleichheiten im Kindes- und Jugendalter an der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter und arbeitet zugleich am Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit am Standort Greifswald/Rostock. In ihrer Forschung führt Prof. Seidler Daten aus Studien aus der ganzen Welt zusammen. Besonders innovativ ist ihr Ansatz, Daten bereits in der Planungsphase internationaler Studien zu bündeln und anschließend die Originaldaten einzelner Teilnehmender gemeinsam auszuwerten. So lassen sich präzise Aussagen darüber treffen, welche Präventions- und Versorgungsmaßnahmen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen besonders wirksam sind.
Mit spürbarer Freude reagiert Prof. Seidler auf die Auszeichnung. „Der Preis bedeutet mir sehr viel, weil er die Bedeutung von Forschung unterstreicht, die das Ziel hat, die Gesundheitschancen von Kindern weltweit zu verbessern“, sagt Prof. Seidler. „Die Gesundheit von Kindern hängt stark davon ab, wo und unter welchen sozialen Bedingungen sie aufwachsen. Indem wir internationale Studiendaten systematisch zusammenführen und gemeinsam analysieren, können wir deutlich besser erkennen, welche Maßnahmen tatsächlich wirken und wie sich Prävention gezielt an unterschiedliche Lebensrealitäten anpassen lässt.“
Ein Beispiel für die Wirkung dieser Forschung ist die Arbeit von Prof. Seidler zum Nabelschnurmanagement bei Frühgeborenen. Durch die Auswertung von mehr als 60 Studien konnte Prof. Seidler zeigen, dass ein verzögertes Abklemmen der Nabelschnur die Überlebenschancen deutlich verbessert. Die Ergebnisse sind inzwischen in internationale Leitlinien eingeflossen und haben die klinische Praxis weltweit verändert. In einer weiteren internationalen Studie, die unter Leitung von Prof. Seidler im Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde, zeigte ihr Team zudem, dass elternbasierte Programme zur frühen Vorbeugung von Übergewicht bei Kleinkindern keine ausreichende Wirkung entfalten.
Prof. Dr. Bernd Krause, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, betont die Bedeutung dieser Arbeiten für Forschung und Versorgung gleichermaßen. „Prof. Seidler verbindet innovative Methoden mit einer klaren gesellschaftlichen Perspektive. Ihre Forschung zeigt, wie internationale Kooperation und präzise Datenanalysen dazu beitragen können, medizinische Leitlinien zu verbessern und gesundheitliche Ungleichheiten im Kindes- und Jugendalter wirksam zu reduzieren.“
Neben ihrer Forschung engagiert sich Prof. Seidler auch in internationalen Projekten und Netzwerken. Prof. Seidler engagiert sich als Mentorin in der Frauenförderung und leitet internationale Methodennetzwerke. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Seidler bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Young Researcher Award“ des Sydney Local Health District in Australien und dem „Early Career Research Award“ der International Society for Research Synthesis Methods in Paris. In ihrer Arbeit bindet Prof. Seidler gezielt verschiedene Interessengruppen ein – von Patientinnen und Patienten sowie Familien über Leitlinienkommissionen bis hin zu politischen Entscheidungsträgerinnen und politischen Entscheidungsträgern –, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in praktische Maßnahmen überführt werden.















