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Projekt zur Rehkitzrettung in der Klinik für Forensische Psychiatrie mit dem DBT-Innovationspreis 2026 ausgezeichnet

29. May 2026
Zwei Männer stehen vor einer weißen Hauswand, einer hält einen großen Scheck mit der Aufschrift 550,- €, der andere eine kleine Plüschfigur

Daniel Schubert (l.), Initiator des Projekts, und Dr. Deniz Cerci, Leitender Oberarzt der Klinik, freuen sich über die Auszeichnung des Projekts zur Rehkitzrettung. Bildquelle: Universitätsmedizin Rostock

Zwei Männer stehen vor einem Plakat mit einem Bild eines Rehs in einem Raum mit Stuhlreihen

Daniel Schubert (l.), Initiator des Projekts, und Dr. Deniz Cerci, Leitender Oberarzt der Klinik, freuen sich über die Auszeichnung des Projekts zur Rehkitzrettung. Bildquelle: Universitätsmedizin Rostock

Auszeichnung würdigt therapeutischen Ansatz der Universitätsmedizin Rostock und stärkt Selbstwirksamkeit von Patientinnen und Patienten

Rostock – Die Klinik für Forensische Psychiatrie der Universitätsmedizin Rostock ist für ihr Projekt zur Rehkitzrettung mit dem DBT-Innovationspreis 2026 ausgezeichnet worden. Vergeben wurde die Auszeichnung vom DBT-Dachverband. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das Patientinnen und Patienten durch gezieltes Fertigkeitentraining in Emotionsregulation, Achtsamkeit und Stresstoleranz unterstützt. In der Klinik für Forensische Psychiatrie werden Menschen behandelt, die im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung oder Suchterkrankung straffällig geworden sind.

Patientinnen und Patienten der DBT-Station unterstützen während der Mähsaison gemeinsam mit der Wildtierhilfe Mecklenburg-Vorpommern die Rettung von Rehkitzen vor landwirtschaftlichen Maschinen. Im Frühjahr 2024 konnten elf, im Frühjahr 2025 weitere sieben Rehkitze gerettet werden.

„Das Projekt zeigt in besonderer Weise, wie therapeutische Inhalte außerhalb klassischer Behandlungssettings erfahrbar werden können“, sagt Klinikdirektorin Prof. Dr. Birgit Völlm. „Unsere Patientinnen und Patienten übernehmen Verantwortung für ein anderes Lebewesen und erleben dabei Selbstwirksamkeit, Fürsorge und gesellschaftliche Teilhabe. Dass dieses Engagement nun mit dem DBT-Innovationspreis ausgezeichnet wurde, freut uns sehr.“

Die Einsätze beginnen in den frühen Morgenstunden. In Suchketten bewegen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer langsam durch hohes Gras, achten auf kleinste Bewegungen und Geräusche und lokalisieren die Jungtiere vor Beginn der Mäharbeiten. Die körperlich und mental fordernden Einsätze werden therapeutisch begleitet und reflektiert. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation und die Fähigkeit, belastende Gefühle konstruktiv zu verarbeiten.

Dr. Deniz Cerci, Leitender Oberarzt der Klinik, erklärt, dass das Projekt zentrale Prinzipien der DBT unmittelbar erlebbar mache. „Die Rehkitzrettung ermöglicht unseren Patientinnen und Patienten die Erfahrung, intensive Emotionen nicht verdrängen zu müssen, sondern in sinnvolles und verantwortungsvolles Handeln umzusetzen“, erklärt Dr. Cerci. „Gerade die Verbindung aus körperlicher Aktivität, Achtsamkeit und konkreter Hilfe für andere schafft therapeutisch wertvolle Erfahrungen.“

Gleichzeitig eröffnet das Projekt neue Erfahrungen gesellschaftlicher Teilhabe. Die Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten sowie Naturschutzakteurinnen und Naturschutzakteuren vermittelt den Beteiligten, dass ihr Einsatz gebraucht und wertgeschätzt wird. Aspekte wie symbolische Wiedergutmachung und Verantwortungsübernahme erhalten dadurch einen konkreten Bezug zum Alltag.

Daniel Schubert, Initiator des Projekts und seit vielen Jahren im Pflegeteam auf der Station tätig, sieht darin einen wesentlichen Erfolgsfaktor des Projekts. „Viele Menschen im Maßregelvollzug erleben sich nur selten als selbstwirksam“, sagt er. „Wenn Patientinnen und Patienten erfahren, dass sie durch ihr eigenes Handeln Leben schützen und gleichzeitig einen Beitrag für die Gesellschaft leisten können, eröffnet das neue Perspektiven für ihre persönliche Entwicklung.“