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Universitätsmedizin Rostock erhält Zertifizierung für Peniskarzinomzentrum

01. June 2026
Zwei Frauen in weißen Kitteln stehen vor einem modernen Glasgebäude

Prof. Dr. Angelika Borkowetz (l.) ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie. PD Dr. Désirée Louise Dräger ist dort geschäftsführende Oberärztin. Bildquelle: Universitätsmedizin Rostock

Neues Spezialzentrum erweitert Versorgung seltener Tumorerkrankungen

Rostock – Die Universitätsmedizin Rostock hat erstmals die Zertifizierung ihres Zentrums für Peniskarzinom erhalten. Mit der Auszeichnung durch die Deutsche Krebsgesellschaft stärkt die Universitätsmedizin ihre uroonkologische Kompetenz und baut die spezialisierte Versorgung von Patienten mit seltenen Tumorerkrankungen weiter aus. Deutschlandweit verfügen derzeit nur 13 Einrichtungen über eine entsprechende Zertifizierung, zwei davon befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern.

Peniskarzinome sind bösartige Tumorerkrankungen des Penis, die überwiegend an der Eichel oder Vorhaut entstehen. Sie zählen zu den seltenen Krebserkrankungen. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich rund 950 Männer neu an einem Peniskarzinom. Für Mecklenburg-Vorpommern ist auf Basis bevölkerungsbezogener Hochrechnungen von etwa 20 bis 30 Neuerkrankungen pro Jahr auszugehen.

„Die Erstzertifizierung unseres Peniskarzinomzentrums ist ein wichtiger Schritt für die Versorgung betroffener Patienten. Seltene Tumorerkrankungen benötigen viel Erfahrung, klare Qualitätsstandards und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen“, sagte Prof. Dr. Angelika Borkowetz, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Urologie sowie Leiterin des Uroonkologischen Zentrums. „Wir können unseren Patienten damit wohnortnah eine Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau anbieten.“

Mit der neuen Zertifizierung erhöht sich die Gesamtzahl der zertifizierten Organkrebszentren unter dem Dach des Onkologischen Zentrums der Universitätsmedizin Rostock auf elf. Dazu gehören das Darmkrebszentrum, das Harnblasenkrebszentrum, das Hautkrebszentrum, das Kopf-Hals-Tumorzentrum, das Leberkrebszentrum, das Neuroonkologische Zentrum, das Nierenkrebszentrum, das Pankreaskarzinomzentrum, das Peniskarzinomzentrum, das Prostatakrebszentrum sowie das Zentrum für Hämatologische Neoplasien.

Patienten profitieren dabei von einer interdisziplinären und konsiliarischen Betreuung. Unabhängig von der aufnehmenden Fachabteilung werden alle Therapieoptionen individuell geprüft und gemeinsam mit den Patienten sowie deren Angehörigen abgestimmt. In interdisziplinären Tumorkonferenzen beraten Fachärztinnen und Fachärzte unterschiedlicher Disziplinen über die bestmögliche Behandlung.

„Gerade bei seltenen Erkrankungen ist es entscheidend, dass Diagnostik, Operation, medikamentöse Therapie und Nachsorge eng verzahnt erfolgen“, betonte Prof. Borkowetz, die ebenso Vorstandsmitglied und Leiterin des Ressorts Leitlinien und Qualität der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist. „Unser Zentrum verbindet diese Expertise unter einem Dach und ergänzt die medizinische Behandlung durch unterstützende Angebote, etwa aus dem psychosozialen Bereich.“

Eine wichtige Grundlage für die Behandlung nach einheitlich hohen Qualitätsstandards sind medizinische Leitlinien. Derzeit wird die S3-Leitlinie zum Peniskarzinom aktualisiert, die unter Leitung von Privatdozentin Dr. Désirée Louise Dräger, geschäftsführende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Urologie, entsteht. S3-Leitlinien gelten als höchste Entwicklungsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland. Sie basieren auf einer systematischen Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie einem strukturierten Konsensverfahren von Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen. Sie unterstützen Ärztinnen und Ärzte dabei, Diagnostik, Therapie und Nachsorge nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft auszurichten.

Das Onkologische Zentrum der Universitätsmedizin Rostock war bereits Ende 2011 als erstes universitäres Zentrum in Mecklenburg-Vorpommern nach den Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert worden. Die aktuelle Erweiterung um das Peniskarzinomzentrum unterstreicht die kontinuierliche Entwicklung des Standorts in der Krebsmedizin.