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Aktuelles

Schlaganfall - jede Minute zählt!

24. Juli 2018

In Deutschland erleiden ca. 250.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall.

Unsere Experten Prof. Uwe Walter, Leiter der Stroke Unit und PD Dr. Kolja Thierfelder, geschäftsführender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, waren zu Gast bei Health TV, einem Spartensender zu Gesundheitsthemen. Den Beitrag zum Thema Schlaganfall finden Sie hier.

Über die Zukunft des betroffenen Patienten entscheiden die Schnelligkeit von Notruf, Notarzt und Transport zur Klinik wie auch die Infrastruktur der behandelnden Klinik.

Schlaganfälle sind in der westlichen Welt die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit. Damit es nicht so weit kommt, müssen Notärzte und Spezialisten schnell reagieren, um für den Patienten die geeignete Therapie zu finden.

Neben einer Notaufnahme muss die Möglichkeit zur bildgebenden Diagnostik des Gehirns bestehen und eine spezielle Schlaganfall-Station, auch Stroke Unit genannt, vorhanden sein. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall wird der Patient, wenn der Notruf über die Notrufnummer 112 erfolgt war, zunächst in der Notaufnahme des nächsten Krankenhauses mit spezieller Stroke Unit von einem Neurologen untersucht. Bestätigt sich in der klinischen Untersuchung der Verdacht auf einen Schlaganfall, erfolgt umgehend die Anfertigung einer Computertomografie (CT) oder einer Kernspintomografie (MRT), d. h. die Erstellung von Schichtaufnahmen des Gehirns mit Hilfe von Röntgenstrahlen (CT) bzw. Magnetfeldern (MRT). Mit beiden Untersuchungen lassen sich auch die das Gehirn mit Blut versorgenden Gefäße darstellen.

PD Dr. Kolja Thierfelder vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Unimedizin Rostock beschäftigt sich mit der CT-Perfusion - einem Verfahren, bei dem das Gehirn des Patienten etwa eine Minute lang immer wieder mit schwach dosierten Röntgenstrahlen durchleuchtet wird. So wird untersucht, wo und wie stark sich im Laufe der Zeit Kontrastmittel im Gewebe ansammelt.

„Wir können mit der CT-Perfusion inzwischen das gesamte Gehirn abbilden und so unmittelbar einen Hirninfarkt nachweisen“, sagt Thierfelder. „Mit einer normalen CT ist das erst drei bis sechs Stunden nach den ersten Symptomen möglich.“ Ärzte könnten dadurch schneller und besser einschätzen, welche weiterführende Therapie für den Patienten in Frage komme - „nicht für jeden Betroffenen ist eine Thrombolyse geeignet, also eine medikamentöse Behandlung, um den Gefäßverschluss aufzulösen“, so der Rostocker Radiologe. Als Alternative dazu kann seit einigen Jahren ein Katheter über die Leiste eingeführt werden, um das Gerinnsel direkt im Gehirn zu beseitigen. „Da beide Verfahren Risiken bergen, muss die Entscheidung individuell erfolgen. Mit unseren Ergebnissen können wir diese Auswahl jetzt noch besser unterstützen.“

In seiner Arbeitsgruppe hat Thierfelder eine Methode entwickelt, mit der sich die riesigen Datenmengen in kurzer Zeit auswerten lassen, die durch die CT-Perfusion entstehen. „Wir können unter anderem sehr kleine Gefäßverschlüsse nachweisen“, sagt er. „Das ist nur durch die CT-Perfusion möglich und ein klarer Anhaltspunkt dafür, dass eine Thrombolyse sinnvoll ist.“ Dafür wurde PD Dr. Thierfelder in diesem Jahr mit dem Wilhelm-Conrad-Röntgen-Preis ausgezeichnet.

Mehr Informationen zu unserer Stroke Unit finden Sie hier.