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Unimedizin nimmt neue Röntgentechnik in Betrieb

27. März 2017

Jennifer Müller (Fujifilm, v.l.), Radiologin Dr. Christina Hauenstein sowie Radiologie-Chef Prof. Karlheinz Hauenstein mit Kinderklinik-Chef Prof. Michael Radke und Dr. Ulf Prüter aus der Kinderchirurgie – diese fordert die meisten Röntgenuntersuchungen an.

Vor allem kleine Patienten profitieren von strahlungsarmen Anlagen

Die Universitätsmedizin Rostock hat an mehreren Standorten neuartige Röntgengeräte in Betrieb genommen. Eine Großanlage steht im Röntgenbereich der Kinderklinik und ist jetzt eingeweiht worden.

„Das Ziel einer modernen Röntgendiagnostik ist die ständige Verbesserung der Bilder bei gleichzeitig deutlicher Verringerung der Strahlendosis für den Patienten“, sagt Radiologie-Chef Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein. Das sei besonders bei den jüngsten Patienten – Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern - von größter Bedeutung: „Sie wachsen noch und sind daher besonders anfällig gegenüber der Anwendung ionisierender Strahlung“, so Hauenstein. In wachsenden Organismen ist die Verteilung von strahlensensiblem Gewebe deutlich anders als beim Erwachsenen. Dies betrifft insbesondere das blutbildende Knochenmark, das sich bei kleinen Kindern nahezu in allen Knochen befindet. Akkumulierte Strahlendosen können so zu Mutationen führen, die im Laufe des Lebens das Risiko für die Entwicklung bösartiger Neubildungen erhöhen. Im Gegensatz zu den bisher verwendeten Röntgengeräten ermöglichen die neuartigen Anlagen über sogenannte Detektoren eine direkte Übertragung des Röntgenbilds auf einen Monitor. Hervorstechendes Merkmal ist dabei die Verringerung der für die Bilderzeugung erforderlichen Strahlendosis auf bis zu ein Drittel.

„Wir haben die Technik in der gesamten Unimedizin umgestellt“, berichtet Hauenstein. Auch das Zentrum für Nervenheilkunde in Gehlsdorf sowie Orthopädie, Chirurgie und Innere Medizin seien mit der neuesten Technik ausgestattet worden. Ein wichtiger Schritt in Hauensteins Augen. „Strahlung ist in der Bevölkerung ein Thema, das immer noch und auch zu Recht mit Angst besetzt ist.“ Gerade habe zudem das Bundesamt für Strahlenschutz die Toleranzwerte für Röntgenstrahlung deutlich gesenkt. „Unsere bisherigen Geräte haben die gültigen Werte zwar immer klar unterschritten, aber zum Wohle unserer kleinen und kleinsten Patienten möchten wir natürlich alle denkbaren Risiken minimieren“, sagt der Radiologie-Chef. 

Die Firma Fujifilm hat die neue Anlage in der gerade frisch renovierten Röntgen-Abteilung in der Kinderklinik installiert. „Da kommt alles Gute für unsere Patienten zusammen“, sagt erfreut die Ärztin Dr. Christina Hauenstein, die mit ihrem Team jedes Jahr etwa 3300 Untersuchungen an Säuglingen, Kindern und Jugendlichen vornimmt.

Häufigstes Einsatzgebiet der Anlage sind Lungenerkrankungen. Die Röntgenbilder bestätigen oder widerlegen schnell einen Verdacht auf Lungenentzündungen bei Kindern, je nachdem, ob die Bilder Verschattungen zeigen oder nicht. Daneben ist die Kindertraumatologie ein Haupteinsatzgebiet. Auch über angeborene Knochenfehlbildungen und erworbene Knochen- und Stoffwechselerkrankungen, etwa bei Rachitis, oder Knochenmetastasen bei krebskranken Kindern und Jugendlichen geben die Röntgenaufnahmen verlässlich Aufschluss. Weiteres gewichtiges Anwendungsfeld: Wenn sich bei Ärzten oder Pflegepersonal ein Verdacht auf Kindesmisshandlung verhärtet, trägt die Röntgenuntersuchung zur Beweisfindung oder zur Entlastung der Eltern bei: „Dann wird bei Kindern unter zwei Jahren grundsätzlich das gesamte Skelett des Kindes abgelichtet, um es nach früheren Schäden abzuscannen“, erklärt Karlheinz Hauenstein. Es gebe typische Muster für alte Verletzungen; bestimmte Körperbereiche nehmen die Mediziner ganz gezielt ins Visier. „Wir sehen unter anderem zunächst unscheinbare Frakturen an  den Wachstumsfugen der Oberarme bei Säuglingen und Kleinkindern mit Schütteltrauma oder auch frische oder bereits abgeheilte Rippenfrakturen - es ist wichtig, dass solche Spuren dokumentiert werden“, so Hauenstein.

Mit unserer neuen Anlage erhöhe sich außerdem in hohem Maße der Patientenkomfort insbesondere für schmerzgeplagte und eingeschränkte Patienten. „Für uns steht der Patient im Mittelpunkt“, so Hauenstein.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Karlheinz Hauenstein, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsmedizin Rostock, Tel. 0381 494 9201